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Fry: Keine Probleme durch kulturelle Unterschiede

09. Mai 2006 - 12:08 Uhr

Honda-Teamchef Nick Fry erklärt, dass sein Team trotz unterschiedlicher Kulturen keine Mentalitätsprobleme hat - Reifen müssen besser genutzt werden

Nick Fry
Nick Fry glaubt, dass die Nutzung der Reifen weiterhin Hondas Hauptproblem ist
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Seit dieser Saison geht das frühere BAR-Honda-Team als reines Honda-Werksteam an den Start. Bislang konnte der Rennstall jedoch noch nicht die gewünschten Ergebnisse, die man nach starken Wintertestfahrten angepeilt hatte, einfahren. War man in den Qualifyings jeweils in der Spitzengruppe dabei, fielen Jenson Button und Rubens Barrichello im Rennen zumeist deutlich zurück, so dass man auf Rang vier in der Konstrukteurwertung bereits deutlichen Rückstand auf die Spitze hat.

Ein Hauptproblem, das dem japanischen Rennstall zu schaffen machte, waren dabei die Reifen: "Das größte Problem für uns ist - genauso wie für die meisten anderen Teams - das Maximum aus den Reifen herauszuholen", erklärte Teamchef Nick Fry im Interview mit 'formula1.com'. "Wir haben bewiesen, dass wir die Pneus auf einer Runde zum Arbeiten bringen können, somit können wir uns immer in der Spitzengruppe qualifizieren. Die Schwierigkeit in der Formel 1 ist es jedoch derzeit, die Reifen über eine längere Distanz nutzen zu können."

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Unterschiedliche Herangehensweisen

"Es gibt keine magische Lösung. Wir müssen hart arbeiten, müssen eine Menge testen, müssen viel ausprobieren."
Nick Fry

Zusätzlich zur Reifenproblematik unterliefen dem Team im Grand Prix von San Marino in Imola einige menschliche Fehler bei den Boxenstopps, jedoch würden "menschliche Fehler von Zeit zu Zeit passieren". Verpatzte Stopps kosteten Button und Barrichello sicher geglaubte Punkteplatzierungen, die Schwierigkeiten seien jedoch einfach unglücklich gewesen. Man müsse nun hart an allen Problemzonen des Teams arbeiten, um sich zu verbessern und den eigenen Ansprüchen gerecht werden zu können: "Es gibt keine magische Lösung. Wir müssen hart arbeiten, müssen eine Menge testen, müssen viel ausprobieren."

Dass auch Meinungsverschiedenheiten aufgrund kulturell bedingter Mentalitätsunterschiede zwischen der japanischen Honda-Fraktion und der Belegschaft der Fabrik in Brackley in Großbritannien eine problematische Rolle spielen, glaubt Fry indes nicht. Zwar gebe es sicherlich Unterschiede, "aber nicht mehr, als man erwarten würde". Im Gegenteil seien diese verschiedenen Herangehensweise an Abläufe und Probleme eher von Vorteil: "In gewisser Weise ist es ein Vorteil, zwei Standpunkte zu haben, da man die Dinge somit aus einer anderen Perspektive betrachten kann."

"Es gibt unterschiedliche Ansätze, wie bestimmte Dinge erledigt werden, aber wir denken auf die gleiche Weise."
Nick Fry

Außerdem habe sich die Situation durch die Umwandlung in ein reines Honda-Werksteam für die Teammitglieder kaum verändert, schließlich haben "die meisten Mitarbeiter im Team seit mindestens vier Jahren mit Honda zusammengearbeitet. Wir verstehen uns sehr gut, es gibt unterschiedliche Ansätze, wie bestimmte Dinge erledigt werden, aber wir denken auf die gleiche Weise", erklärt Fry. Darüber hinaus habe auch er selbst bereits mit verschiedenen japanischen Automobilherstellern gearbeitet und kenne daher deren Philosophie.

Eingewöhnungsphase für Barrichello

Schwierigkeiten, sich an sein neues Umfeld zu gewöhnen, hatte in den ersten Rennen Neuzugang Barrichello. Der von Ferrari gekommene Brasilianer ließ jedoch in den vergangenen beiden Grands Prix einen Aufwärtstrend erkennen, auf dem Nürburgring konnte er erstmals Teamkollege Button in Schach halten. Auch habe der 33-Jährige frische Ideen in das Team gebracht: "Ich denke, es hilft immer, so etwas wie 'frische Augen' im Team zu haben, denn wenn eine Person, ein Fahrer oder jemand anderes über vier oder fünf Jahre in einem Team ist, gewöhnt man sich an alles, an Situationen", meint Fry.

Aufgrund seiner enormen Erfahrung bringe Barrichello daher fantastische neue Ideen mit sich, erläutert der Brite weiter. Dennoch müsse man eine Eingewöhnungsphase, wie sie der Brasilianer derzeit erlebt, mit einkalkulieren: "Ich würde noch immer sagen, dass die ersten sechs Monate, in denen eine neue Person in ein Team kommt, kritisch sind. Man muss sehr genau zuhören, was die Person sagt", ist sich der Teamchef sicher.