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Scuderia Toro Rosso: Guter Politiker gefordert...

07. März 2006 - 09:34 Uhr

Red Bulls zweiter Rennstall ist das einzige Team im Starterfeld, das mit V10-Motoren an den Start geht, was nicht ganz unumstritten ist

Vitantonio Liuzzi
Kein echter Formel-1-Neuling in Red Bulls Juniorteam: Vitantonio Liuzzi
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Der Minardi-Rennstall ist nur noch Geschichte, die Scuderia Toro Rosso ist die Zukunft in Faenza. Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz hat Paul Stoddart den sympathischen kleinen italienischen Rennstall im vergangenen Jahr abgekauft und damit begonnen, eine Art Junior-Formel-1-Team aufzubauen, in dem junge Red Bull-Talente ihre ersten Erfahrungen in der Formel 1 sammeln sollen, bevor sie entweder zum größeren Red Bull Racing-Team aufsteigen oder bei der Konkurrenz zum Einsatz kommen.

In diesem Jahr verpflichtete man mit Vitantonio Liuzzi keinen echten Formel-1-Neuling, denn der Italiener durfte im vergangenen Jahr bei Red Bull Racing im Rotationssystem neben Christian Klien Rennen bestreiten, allerdings nur vier an der Zahl, in denen er einen WM-Zähler einfuhr. Teamkollege Scott Speed hingegen ist ein absoluter Formel-1-Neuling. Der 23-Jährige ist Amerikaner und erfüllt damit den Wunsch Mateschitz', einen Fahrer aus den Staaten am Steuer sitzen zu haben, um den Dosenabsatz in den USA anzukurbeln.

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Österreichisches Team fährt unter italienischer Flagge

Gerhard Berger und Franz Tost
Gerhard Berger und Franz Tost: Österreicher unter sich...
© xpb.cc

Der österreichische Einfluss in dem Team, das weiterhin unter italienischer Lizenz an den Start geht, ist groß. Neben Teambesitzer Mateschitz ist Ex-BMW-Mann Franz Tost Teamchef, Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger seit Kurzem 50-prozentiger Anteilseigner und Red Bulls Helmut Marko kümmert sich um die Sichtung der Nachwuchstalente.

Der V10 ist nur noch bei der STR zu sehn'

Für viel Aufregung sorgte in den letzten Monaten die Tatsache, dass die Scuderia Toro Rosso mit gedrosselten V10-Motoren an den Start gehen wird. Diese Ausnahmegenehmigung, der einst alle Teams zugestimmt hatten, wurde ursprünglich dem Minardi-Team erteilt, das die Umrüstung auf V8-Motoren finanziell nicht hätte stemmen können, weil man in den letzten Jahren jeweils mit älteren Motoren fuhr, um weniger Geld in die Motoren investieren zu müssen.

Doch nun verfügt das Team quasi über Nacht über mehr Geld und der gedrosselte V10-Motor könnte sich zu einem Vorteil für das Team auswirken. 13 Testtage absolvierte der Rennstall in diesem Jahr in Vorbereitung auf die Saison. Zum Vergleich: Bei Minardi waren es letztes Jahr im gleichen Zeitraum nur derer fünf. Alleine diese Tatsache macht deutlich, warum die Konkurrenz - allen voran MF1 Racing - sich öffentlich über die Verwendung des V10-Motors beschwert hat.

Stuck sieht einen Motorenvorteil

Scott Speed
Scott Speed im STR-01: Motorenvorteil dank gedrosselter V10-Power?
© xpb.cc

"Vom Drehmomentverlauf her ist ein V10-Motor sicherlich besser zu fahren als ein V8-Motor, gerade im unteren Drehzahlbereich könnte man dadurch einen Vorteil haben", so 'F1Total.com'-Experte Hans-Joachim Stuck. "Auch die Leistungskurve erachte ich bei einem V10 in der linearen Form besser als beim aggressiven V8."

Der Automobilweltverband FIA hat versprochen, dass er eingreifen wird, sollte es offensichtlich sein, dass die Drosselung des V10-Cosworth-Motors durch ein Drehzahllimit und einen Luftmengenbegrenzer nicht weit genug geht.

Tost ist clever genug, um seinen Motor nicht "kastrieren" zu lassen

Doch Stuck glaubt, dass sich das Team zu helfen wissen wird: "Dort sitzt Franz Tost am Ruder, der sich natürlich auskennt. Ich bin mir sicher, dass er schlau genug ist, um entsprechend zu handeln, wenn er merkt, dass seine Fahrer mit dem Motor in Bereiche kommen, wo es eventuell Stress geben könnte."

"Dann wird er zu seinen Ingenieuren sagen: 'Kommt, nehmen wir mal ein paar Prozent Drehzahl weg, die heben wir uns für wichtigere Dinge auf'. Er ist so schlau, er ist ein Politiker und das wäre natürlich auch absolut legitim. Wenn er merkt, dass der Motor auf bestimmten Strecken sehr stark ist, dann wird er diese Fakten bestimmt nicht auf den Tisch legen."

Die Verwandtschaft zu Red Bull Racing ist nicht von der Hand zu weisen

In die Saison startet das Team mit einem selbst entwickelten Auto, das seine Verwandtschaft zum Auto des Red Bull Racing-Teams nicht verleugnen kann. Das Chassis dürfte weitestgehend jenem RB1 des Vorjahres entsprechen mit Aerodynamik-Elementen des aktuellen RB2. Beide Teams arbeiten zudem mit Reifenpartner Michelin zusammen.

Gerhard Berger und Dietrich Mateschitz
Gerhard Berger und Dietrich Mateschitz: Beide halten 50 Prozent am Team
© xpb.cc

Wie sich der V10-Faktor ausspielen wird, erwartet nicht nur die Konkurrenz mit Spannung, sondern auch das Team selbst. Gerade bei den ersten Rennen dürfte man den Zuverlässigkeitsvorteil ausspielen können: "Wenn die Scuderia Toro Rosso ein Auto erstellen, das besser ist als das letztjährige des Minardi-Teams, dann sind die sicherlich für Punkte gut", glaubt Stuck.

Im vergangenen Jahr fehlten Minardi während der Saisonvorbereitung bei den Testfahrten im Schnitt 4,1 Sekunden auf die Spitze - allerdings im Auto mit alter und damit besserer Aerodynamik, die dann zum ersten Rennen doch abmontiert werden musste, was das Team weit zurückwarf. Dass nun ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde, macht der durchschnittliche Rückstand des STR-01 deutlich: Nur 2,7 Sekunden, 0,7 Sekunden langsamer als der RB2 von Red Bull Racing.