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Russland-Faktor soll MF1 Racing zum Erfolg führen
 
von Christian Nimmervoll 21. Februar 2006 - 08:46 Uhr
 
MF1-Racing-Teamchef Colin Kolles will seinen Rennstall behutsam aufbauen und dabei nach und nach immer mehr russische Mitarbeiter an Bord holen
 
Christijan Albers
MF1 Racing will als russisches Team die Spitze der Formel 1 erklimmen
Zoom © xpb.cc
(Motorsport-Total.com) - Nach einem Aufbaujahr unter Jordan-Banner wird es 2006 ernst für Midland: Der Rennstall um Eigentümer Alexander Shnaider und Teamchef Colin Kolles möchte sich in der Formel 1 zunächst etablieren und langfristig auch um Spitzenpositionen mitfahren. Dieses Ziel will man mit möglichst vielen russischen Mitarbeitern erreichen.

MF1 Racing ist das erste Team der Formel-1-Geschichte, welches mit einer russischen Lizenz an den Start geht. Zwar liegt der Hauptsitz unverändert im britischen Silverstone, doch Shnaider lebte vor seinem Umzug nach Kanada in Russland und auch Kolles hat russische Wurzeln. Nun gilt es, diese Chance zu nutzen und den schlafenden Grand-Prix-Riesen zu wecken - vielleicht auch bald mit einem spektakulären Rennen um den Kreml in Moskau...



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MF1 Racing will den russischen Markt ersterobern

"Ich bin kein Russe", erklärte Kolles, "aber meine Familie wurde in Russland geboren. Alex hat natürlich sehr enge Verbindungen in diesen Teil der Welt. Der Russische Automobilverband hat uns in unserem Vorhaben, mit einer russischen Lizenz an den Start zu gehen, sehr unterstützt, weil es ihnen hilft, den Motorsport in ihrem Land bekannter zu machen. Das ist etwas sehr Positives für den Sport Formel 1 und hoffentlich auch für unser Team."

"Wir denken, dass das eine gute Ausgangsbasis ist, um für den Sport ein Bewusstsein in Russland zu erreichen", fuhr er fort, "und um russische Partner zu gewinnen. Vielleicht kann man auch westliche Geschäfte nach Russland bringen. Wir sehen uns in einer Win/Win-Position. Wir planen außerdem ein Nachwuchsfahrerprogramm in Russland, um junge Fahrer aus dem Kartsport nach oben zu bringen. Also bauen wir den Sport auch auf einer regionalen Ebene auf."

 
Mit Rusinov wird man keine Bäume ausreißen...

Roman Rusinov
Roman Rusinov ist momentan noch der einzige russische Formel-1-Pilot
Zoom © MF1 Racing
MF1 Racing hat schon jetzt einen Russen unter Vertrag, nämlich den Testfahrer Roman Rusinov. Der 24-Jährige gilt nicht gerade als überragendes Talent, kann aber auf einige Achtungserfolge in verschiedenen Nachwuchskategorien zurückblicken: 2000 landete er in der Französischen Formel Renault auf dem siebenten Gesamtrang, 2002 reichte es zu Platz drei in der Formel Palmer-Audi und 2004 wurde er Meister der Le Mans Endurance Series.

Kolles schwebt aber momentan eher vor, Ingenieure aus Russland zu verpflichten: "Russland ist bekannt für seine fortgeschrittene wissenschaftliche Gemeinschaft, also versuchen wir, junge Ingenieure aus Russland in unsere Belegschaft zu integrieren", so der Deutsche. "Wen wir anstellen, wird nicht meine Entscheidung sein, sondern jene von James Key (Technischer Direktor; Anm. d. Red.). Im Moment sind wir aber mit anderen Dingen beschäftigt, also wird das noch dauern."

Was die kommende Saison angeht, erwartet er eine Steigerung gegenüber der Vorsaison, was insofern nicht einfach wird, als Minardi nun von Red Bull geführt wird und mit Super Aguri ein elftes Team in die Formel 1 gekommen ist. Trotzdem hat Kolles viel vor: "Unser Ziel ist definitiv nicht, wieder Neunter in der Weltmeisterschaft zu werden", sagte er selbstbewusst. "Unser Plan ist, mit voller Leistung nach vorne zu schauen und das Maximum zu geben."

 
Kolles bittet darum, ernst genommen zu werden

"Ich hoffe, dass die Leute erkennen, wie ernst es uns damit ist, in diesem Sport Erfolg haben zu wollen. Am Anfang hatten wir es schwer, weil die Leute nicht an uns glaubten und unwahre Gerüchte über uns verbreiteten, aber so ist das Leben. Jetzt ist es an der Zeit, sich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Wir haben für diese Saison ein brandneues Auto angekündigt, und damit werden wir auch fahren. Wir müssen hart weiterarbeiten. Den Rest wird die Zeit zeigen", so Kolles.

Davon, dass die bisherigen Wintertestfahrten alles andere als viel versprechend verlaufen sind, will er sich nicht entmutigen lassen. Außerdem spricht für MF1 Racing, dass man mit Toyota einen Motorenpartner hat, auf den man sich verlassen kann. Vergleiche mit dem Toyota-Werksteam lehnt Kolles aber ab: "Wir haben unsere eigenen Methoden und holen das Maximum aus ihnen heraus", winkte er auf eine entsprechende hin Frage ab.

 
MF1 Racing muss effizienter arbeiten als andere Teams

 
"Wir sitzen nicht herum und denken, dass Toyota dies und Ferrari jenes hat."
Colin Kolles
"Wir sitzen nicht herum und denken, dass Toyota dies und Ferrari jenes hat", bezog er zu MF1 Racings eingeschränkten Ressourcen Stellung. "Unser Hauptziel ist, eine konstante Verbesserung zu erreichen. Wir müssen auf der Strecke Tag für Tag Fortschritte machen und wir müssen hart daran arbeiten, mehr Sponsoren zu bekommen, was wir gerade tun. James will wiederum mehr Ressourcen für die Technik, weshalb ich mich sehr für die Finanzierung ins Zeug hängen muss."

Sein Leitsatz in allem, was er tut, ist aber Effizienz: "Es geht nicht darum, tausende Leute zu haben, sondern es geht darum, möglichst effizient zu arbeiten", unterstrich Kolles einmal mehr seine Philosophie. "Wir haben ein neues Auto - eines, das hübsch aussieht -, aber die Arbeit hat gerade erst begonnen. Wir haben bisher noch rein gar nichts erreicht. Ich werde mich erst freuen, wenn die ersten Resultate kommen."

 
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