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Stuck: "Zeit des dominierenden Fahrers ist vorbei"

20. Januar 2006 - 17:03 Uhr

'F1Total.com'-Experte Hans-Joachim Stuck im Interview über die Chancen des BMW Sauber F1 Teams und die geringen Unterschiede zwischen den Fahrern

Hans-Joachim Stuck
Hans-Joachim Stuck kennt alle Vorgänge bei BMW längst in- und auswendig
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Seit Jahren ist der Name Hans-Joachim Stuck untrennbar mit der Marke BMW verbunden. Als offizieller Markenbotschafter repräsentiert der 55-Jährige das Unternehmen bei Veranstaltungen rund um die Welt. Als Fahrer - wie zuletzt beim 24-Stunden-Rennen von Dubai - erringt er selbst im fortgeschrittenen Alter auf BMW Rennwagen Sieg um Sieg. Dennoch sparte der 'F1Total.com'-Experte in der Vergangenheit nicht mit Kritik, wenn es bei BMW in der Formel 1 nicht so gut lief. Am Rande der BMW Sauber F1 Team Präsentation nahm er sich Zeit, um die Erfolgsaussichten des neuen Rennstalls zu analysieren.

Frage: "Hans, der BMW Sauber F1.06 ist da. Was traust du dem neuen Team in der kommenden Saison zu?"
Hans-Joachim Stuck: "Man muss ganz sicher warten, bis das erste Rennen in Bahrain losgeht. Sauber war bisher der große Ruhepol im Fahrerlager, der von allen positiv belächelt worden ist. Das wird sich jetzt ganz sicher ändern, da BMW dahinter steht. Es wäre falsch, zu viel zu erwarten. Die Top 5 zu schlagen, wird sehr schwierig. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass das Team recht schnell auf einem hohen Niveau operieren wird."


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Stuck begrüßt die Übernahme des Sauber-Teams durch BMW

"Es war der einzig richtige Weg für BMW, sich eine gute Basis zu kaufen, auf der man aufbauen kann."
Hans-Joachim Stuck

Frage: "Wie bewertest du die langfristige Perspektive?"
Stuck: "Keine Frage, es war der einzig richtige Weg für BMW, sich eine gute Basis zu kaufen, auf der man aufbauen kann. Nur so ist es möglich, den Nachweis für das eigene Potenzial in der Formel 1 zu erbringen. Ich hoffe, dass es möglichst schnell geht. In den nächsten Jahren werden wir die japanische Welle zu spüren bekommen. Toyota und Honda streben ins Rampenlicht, auch McLaren-Mercedes und Renault bleiben natürlich ein Faktor. BMW wird alle Synergien zusammenspannen müssen, um da vorne mitzuspielen. Aber dadurch wird der Erfolg auch wertvoller."

Frage: "Sind Nick Heidfeld und Jacques Villeneuve die richtigen Fahrer für diese Mission?"
Stuck: "Ich bin absolut begeistert, dass Jacques mit dabei ist! Er hat sehr viel Erfahrung, war schon Weltmeister und kann in so einem Stadium das Team nach vorn bringen. Nick hat oft genug bewiesen, was er kann, wenn das Auto stimmt. Ich bin sicher, dass die beiden gute Basisarbeit leisten werden. Dass sich in ein oder zwei Jahren fahrerisch etwas tun wird, ist logisch. Man sieht, wie sich die Leute um Räikkönen und Alonso reißen, die noch vor fünf Jahren Nobodys waren. BMW fährt eine gute Schiene. Hinzu kommt Robert Kubica als Testfahrer. Er muss zwar noch geschliffen werden, ist aber der Mann der Zukunft."

Frage: "Hätte die Verpflichtung eines Topfahrers Sinn gemacht?"
Stuck: "Für die Anfangsphase hat BMW sicher die besten Fahrer genommen, die verfügbar waren. Das nimmt auch Druck weg. Wenn man einen Räikkönen nimmt, dann wäre das für den Anfang nicht hilfreich. Nick und Jacques haben alles, was man braucht, um das Potenzial des Autos auszuschöpfen. Man muss Leute nehmen, die weniger unter Druck stehen und in Ruhe ihre Arbeit machen können. Nur so kommt das Team voran."

Ein Fahrer allein kann auch nichts mehr ausrichten

"Wenn Michael Schumacher heute zu BMW ginge, würde er ein Jahr hinterherfahren."
Hans-Joachim Stuck

Frage: "Aber ein Michael Schumacher hat Ferrari schon einmal sehr effektiv auf die Beine geholfen..."
Stuck: Das war ja nicht Michael allein. Er kam zu Ferrari, als sich das Team nach einer langen Durststrecke wieder neu formiert hat, und hat seinen Teil dazu beigetragen. Wenn Michael etwa heute zu BMW ginge, würde er ein Jahr hinterherfahren. Setzt dann beim Team der Gesamtfortschritt ein, hätte auch er bessere Chancen. Das kann Nick genauso passieren. Wenn man alle Fahrer in das gleiche Auto setzt - egal ob Heidfeld, Villeneuve oder Schumacher -, dann liegen sie vielleicht ein oder zwei Zehntel auseinander. Das ganze Paket muss einfach stimmen."

Frage: "Heißt das, Michael Schumacher wäre keine Hilfe bei der Entwicklungsarbeit?"
Stuck: "Den Einbruch, den Michael mit Ferrari in diesem Jahr gehabt hat, war eklatant. Aber er ist immer noch einer der besten Fahrer der Welt, gar keine Frage. Allerdings ist er nicht mehr übermenschlich, das gibt es nicht mehr. Es wird überall nur mit Wasser gekocht. Das wird in den kommenden Jahren noch deutlicher, da der Fahrer durch Einschnitte in die Aerodynamik, den möglichen Wegfall der Traktionskontrolle und andere Maßnahmen wieder mehr gefragt ist. Das beginnt schon 2006 mit der Reduzierung der Motorleistung. Die Fahrer werden mittelfristig wieder wichtiger. Und das ist auch gut für Michael. Aber die Zeit des dominierenden Fahrers - ohne das entsprechende Material - ist vorbei."