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Heidfeld: "Nicht realistisch, die WM zu gewinnen"

18. Januar 2006 - 11:40 Uhr

Nick Heidfeld im Interview über seine Zielsetzung für die kommende Saison, den geplanten Ausbruch aus dem Mittelmaß und den großen Traum vom WM-Titel

Nick Heidfeld und Willy Rampf
Nick Heidfeld berichtete den Ingenieuren von den ersten Eindrücken im F1.06
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Das BMW Sauber F1 Team stellte gestern im spanischen Valencia den neuen F1.06 für die bevorstehende Formel-1-Saison vor. Bevor Nick Heidfeld am Nachmittag erstmals auf die Strecke ging, stellte er sich den Fragen der Journalisten.

Frage: "Nick, wie gefällt dir der BMW Sauber F1.06?"
Nick Heidfeld: "Er gefällt mir gut, sieht gut aus! Ich habe das Auto schon in Hinwil gesehen, aber da war es noch nicht ganz zusammengebaut. Da fehlten noch die Verkleidung und die Nase. Aussehen tut es schnell, aber wir wissen noch nicht, wie gut es auf der Strecke ist. Das werden wir erst am Nachmittag sehen."

Mehr Vertrauen in den Sauber- als in den Williams-Windkanal

"Ich habe in der Vergangenheit - leider speziell letztes Jahr bei Williams - gesehen, dass das nicht immer gerechtfertigt sein muss."
Nick Heidfeld

Frage: "Du hast von jetzt an 30 Sekunden, um über das Auto zu schwärmen..."
Heidfeld: "Eins, zwei... Im Ernst: Das fällt mir noch ein bisschen schwer. Es sieht gut aus, aber ich bin ja noch keine einzige Runde damit gefahren. Das Team ist recht zuversichtlich, auch die Aerodynamikabteilung, aber ich habe in der Vergangenheit - leider speziell letztes Jahr bei Williams - gesehen, dass das nicht immer gerechtfertigt sein muss. In den neuen Windkanal bei Sauber habe ich aber mehr Vertrauen, weshalb ich hoffe, dass wir heute Abend mit zufriedenen Gesichtern nach Hause gehen können."

Frage: "Den Motor kennst du ja schon. Wie ist es um die Fahrbarkeit bestellt?"
Heidfeld: "Er ist sehr gut fahrbar. Natürlich sind Dinge wie Fahrbarkeit und Vibrationen eine kleine Sorge, aber speziell in diesen beiden Punkten gibt es überhaupt keine Probleme, muss ich sagen. Die Leistung ist natürlich deutlich geringer als beim V10 - aber hoffentlich stärker als bei den anderen V8-Motoren!"

Frage: "Wie ist das eigentlich für einen Fahrer, wenn man zum ersten Mal zwei Zylinder weniger zur Verfügung hat?"
Heidfeld: "Das ist schon ein Riesenunterschied! Ich bin zwar die letzten fünf Rennen nicht gefahren und hatte dann eine Pause, bevor ich das erste Mal mit dem V8 gefahren bin, aber trotz der langen Pause konnte ich den Unterschied sofort spüren. Trotzdem ist die Formel 1 immer noch das Schnellste, was auf diesem Planeten herumfährt, also dürfen wir uns glaube ich nicht beschweren."

Heidfeld zentrale Integrationsfigur zwischen BMW und Sauber

"Am Anfang dachte ich, dass das keine wirkliche Rolle spielen wird."
Nick Heidfeld

Frage: "Du kennst sowohl Sauber als auch BMW. Was für eine Rolle kannst du im Integrationsprozess der beiden Unternehmen spielen?"
Heidfeld: "Ich glaube, das war mit ein Grund, weshalb man gedacht hat, dass es eine gute Entscheidung wäre, mich zu verpflichten. Am Anfang dachte ich, dass das keine wirkliche Rolle spielen wird, aber man hat bei den ersten Tests gesehen, dass ich da schon ein bisschen hilfreich sein kann - ganz einfach aus dem Grund, weil ich beide Seiten kenne, die richtigen Ansprechpersonen kenne und weiß, wie man die eine oder andere Sache in die Wege leiten kann."

Frage: "Wie spannend ist es, Teil eines zusammenwachsenden Teams zu sein?"
Heidfeld: "Es ist schon etwas ganz anderes als in den letzten Jahren. Zum einen ist die Situation schöner und einfacher, weil ich mit dem BMW Sauber F1 Team einen recht langfristigen Vertrag habe, und zum anderen, weil ich beide Seiten gut kenne. Ich sehe, wie viele Ressourcen dahinter stehen, wie hart gearbeitet wird - und dementsprechend zuversichtlich sind momentan alle. Ich hoffe, dass wir dann in ein paar Jahren auch Erfolge einfahren können."

Frage: "BMW arbeitet immer mit der Philosophie mehrjähriger Pläne. Ist das jetzt auch so? Und wo werden deiner Meinung nach in Zukunft die wichtigsten Stationen sein?"
Heidfeld: "Gut, es hängt weniger vom Wollen ab als von dem, was realistisch ist. Es ist einfach nicht realistisch, direkt die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Das wollen wir alle, aber man muss sich realistische Ziele setzen. Die sind in meinen Augen so zu definieren, dass wir hoffentlich in drei Jahren gewinnen können, es nächstes Jahr vielleicht in die Top 6 der Konstrukteure schaffen. BMW nennt da nicht so konkrete Ziele, aber das ist meine persönliche Hoffnung. Es gibt immer wieder mal verrückte Rennen wie Monaco im Regen. Dann ist vielleicht auch schon kommende Saison für uns etwas drin, aber unter normalen Umständen eher nicht."

Früher oder später will "Quick Nick" Weltmeister werden

Nick Heidfeld
Nick Heidfeld gestern bei seiner ersten Ausfahrt mit dem BMW Sauber F1.06
© xpb.cc

Frage: "Du selbst wartest immer noch auf den ersten Sieg, warst bisher - böse formuliert - eher graues Mittelmaß. Siehst du jetzt eine Chance, daraus auszubrechen?"
Heidfeld: "Ich denke, dass das letztes Jahr eigentlich schon ganz gut geklappt hat mit dem BMW Williams F1 Team. Das war meine Chance, einmal in einem Topteam zu fahren, und ich war mehrmals auf dem Podium, habe auch eine Pole Position geholt. Das war für mich ein wichtiger Schritt. Die großen Teams und auch BMW haben gesehen, wozu ich in der Lage bin, wenn das Auto auch dazu in der Lage ist. Dementsprechend habe ich jetzt diese Chance bekommen. Mein Ziel ist nach wie vor, Weltmeister zu werden. Mal schauen, vielleicht klappt es ja in den nächsten Jahren."

Frage: "Dein Teamkollege Jacques Villeneuve galt in der Presse lange nicht als euer Wunschkandidat. Wie kommst du mit ihm klar und wie stark erwartest du ihn als Konkurrenten?"
Heidfeld: "Bis jetzt komme ich sehr gut mit ihm klar. Was die letzten Jahre in der Formel 1 betrifft, gab es eigentlich keine großen Probleme. Hier beim Launch sehen wir uns das erste Mal, seit klar ist, dass wir für das gleiche Team fahren. Bis jetzt hatte ich aber noch nie mit einem Teamkollegen Probleme - und das erwarte ich bei Jacques auch nicht."

Frage: "Bitte gib uns doch abschließend noch einen kurzen Kommentar zu den Regeländerungen!"
Heidfeld: "Die heftigste Änderung ist natürlich der V8-Motor, denn dadurch haben wir deutlich weniger Leistung. Vielleicht sehen wir dadurch mehr Überholmanöver, weil wir mehr Zeit auf den Geraden verbringen. Die Kurvengeschwindigkeiten steigen letztendlich sogar teilweise an. Ich denke, für die Zuschauer ist es besser, die Sicherheit sollte auch besser sein. Das geht schon in Ordnung!"

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