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Echt richtungweisend: Die Lenksäule

26. November 2005 - 18:17 Uhr

In der Formel 1 wird an jedem Bauteil Detailarbeit verrichtet, um das Auto schneller zu machen - die Lenksäule stellt da keine Ausnahme dar

Alexander Wurz
Eine Lenksäule muss verwindungssteif sein und darf kaum Reibung erzeugen
© Irlmeier

(Motorsport-Total.com) - Die Formel 1 ist ein Sport, in der Hundertstelsekunden über Sieg oder Niederlage, Pole Position oder nicht Pole Position entscheiden können. Das Lenksystem ist eines der wichtigsten aber von den Fans meist kaum beachteten Teile an einem Auto - schließlich dreht sich sonst alles um Motorenleistung, die Reifen, die Aerodynamik und natürlich den Fahrer.

Der Fahrer wiederum ist abhängig vom Auto und von der Rückmeldung, die er von der Lenkung erhält und von der Feinfühligkeit, mit der er die Lenkung nutzen kann. Auf der einen Seite der Lenksäule ist das abnehmbare Lenkrad befestigt, auf der anderen Seite ist die Lenksäule mit dem Lenkgestänge verbunden.

Eine Lenksäule wird aus Gründen des Gewichts und der Stabilität aus Kohlefaser hergestellt: "Wenn es zu viel Reibung oder nicht genug Verwindungssteifigkeit gibt, dann wird dies die Art und Weise, wie der Fahrer mit dem Auto umgehen kann, negativ beeinflussen", erklärt Phil Gallagher, Senior Design Engineer von McLaren Racing auf 'mclaren.com'. Verwendung finden neben Kohlefaser bei der Herstellung aber auch Titan, Stahl und Aluminium.

Lenkrad
Das Lenkrad kann samt eingebauter Elektronik in Sekunden entfernt werden
© xpb.cc

Am oberen Ende der Lenkstange ist ein elektrischer Kontakt angebracht, der die im Lenkrad untergebrachte Elektronik mit der Kontrolleinheit im Chassis verbindet. Diese Verbindung ist wie das komplette Lenkrad von der Lenkstange blitzschnell zu entfernen, sodass der Fahrer im Notfall schnell aus dem Auto klettern kann: "Es gibt eine FIA-Regel, die festsetzt, dass der Fahrer in der Lage sein muss, innerhalb von fünf Sekunden aus dem Auto zu kommen, das schnelle Abnehmen ist also sehr wichtig."

Die Bewegungen des Fahrers, die er über das Lenkrad und die angeschlossene Lenkstange an das Lenkgestänge überträgt, werden durch eine Servolenkung verstärkt, wobei hierbei laut Reglement seit 2002 nur noch eine mechanische Lösung in Betracht kommt - man will damit sicher stellen, dass keine elektronischen Lenkhilfen zum Einsatz kommen. Bei McLaren-Mercedes setzt man auf ein Hydrauliksystem, das mit einem Druck von 200 Bar arbeitet und die notwendige Lenkkraft halbiert.

Nick Heidfeld
Bei Unfällen muss die Lenksäule einen Teil der Aufprallenergie absorbieren
© xpb.cc

Zusätzlich muss es am Ende der Lenksäule eine Crashstruktur aus Aluminium geben: "Wir müssen einen Test durchführen, bei dem wir ein Gewicht auf das Ende der Lenksäule fallen lassen und die Verzögerung messen", erklärt Gallagher. "Die Verzögerungsspitze muss dabei im Falle eines Crash weniger als 80 g betragen."

Für die Herstellung einer Lenksäule brauchen die McLaren-Mitarbeiter rund zehn Stunden, drei bis vier Ersatzlenksäulen werden zu jedem Rennen mitgenommen. Genau unter die Lupe genommen werden die Lenksäulen nach einer Benutzung von 1.500 Kilometern und werden nach 3.000 Kilometern einem Service unterzogen.

Dabei wird die Lenksäule komplett auseinander genommen und die sicherheitsrelevanten Teile werden auf Schäden untersucht. Die Lenksäule wird dann - mit etwaigen Austauschteilen - wieder zusammen gesetzt und wird dann auf dem Prüfstand noch einmal auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft, bis sie wieder im Auto eingebaut und verwendet wird.

Die modernen Lenksäulen haben mittlerweile ein gutes Maß an Verwindungssteifigkeit und Gewicht erreicht, deshalb wird kaum noch Entwicklungsarbeit an diesem Teil durchgeführt, wie Gallagher verrät. Dennoch muss ein neues Design entwickelt werden, wenn sich das Monocoque verändert. Das Modell der Saison 2005 war übrigens zwei Jahre ohne größere Veränderungen im Einsatz.

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