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Scott Speed: Die Formel-1-Karriere fest im Blick

16. Juni 2005 - 16:26 Uhr

Schon seit Jahren träumt der US-Amerikaner davon, in der Formel 1 antreten zu können - die ersten Schritte hat er bereits gemacht

Scott Speed
Scott Speed plant bereits seine Karriere in der Formel 1
© GP2 Series

(Motorsport-Total.com) - Zwölf Jahre ist es her, da trat zum bisher letzten Mal ein US-Amerikaner in der Formel 1 an: Michael Andretti, doch seine Formel-1-Karriere stand unter keinem guten Stern. McLaren musste 1993 mit Ford-Motoren antreten, der Sohn des Ex-Weltmeisters Mario Andretti hatte Mühe, mit den Formel-1-Boliden zurechtzukommen und musste sich zudem dem teaminternen Vergleichen gegen Ayrton Senna stellen.

Doch schon zuvor ließ das Interesse an der Formel 1 in den USA immer weiter nach. Eddie Cheever war in den 80er Jahren lange Zeit der einzige US-Amerikaner in der Königklasse, der dem großen Erfolg jedoch immer nachrannte. Der Große Preis der USA 1991 in den Straßen von Phoenix geriet zu einem Geisterrennen: Gerade einmal 35.000 Zuschauer verirrten sich an die Rennstrecke.

Speed vertritt die USA mit Stolz in der Formel 1

Ende der 90er Jahre begann man einen erneuten Versuch, den amerikanischen Markt auch mit der Formel 1 zu erobern. Seit dem Jahr 2000 findet im Motorsport-Mekka Indianapolis der US-Grand-Prix statt. Die Fans in den USA zeigten sich dennoch etwas reserviert, denn ihnen fehlt eine Identifikationsfigur inmitten des Fahrerfeldes. Unter der Führung des Ex-Formel-1-Fahrers und Indy-500-Gewinners Danny Sullivan begann Red Bull in den USA eine Nachwuchssichtung.

Sven Haidinger
Als eines der ersten Talente wurde Scott Speed gefunden. In Europa wurde er von Red Bull betreut und aufgebaut. Am kommenden Freitag wird der Kalifornier als erster US-Amerikaner seit 1993 wieder einen Teil des Formel-1-Wochenendes bestreiten. Speed wird, wie zuvor schon in Kanada, in den Freien Trainings den dritten Red Bull-Cosworth RB1 steuern.

Möglich wurde diesen Einsätze, da die GP2-Serie, in der Speed antritt, während der Nordamerika-Tour der Formel 1 keine Rennen austrägt. "Es wird sicher etwas speziell werden", so der 22-jährige vor seinem ersten Formel-1-Einsatz in seiner Heimat. "Es ist großartig, etwas zu repräsentieren, auf das ich wirklich stolz bin, nämlich ein Amerikaner sein." Doch seine Gedanken drehen sich zum Teil auch schon über die Zukunft: "Wir sind noch weit von unserem Ziel entfernt, den nächsten Weltmeister zu stellen. Aber diesbezüglich bleibe ich ruhig und konzentriert."

Speed begann mit zehn Jahren im Kartsport. "Ich wurde von meinem Vater beeinflusst", erklärte er. "Er interessierte sich für die Formel 1 und schaute sich die Rennen an, da habe ich natürlich mitgeguckt. Ich bin eine Wettkampfpersönlichkeit, ich möchte bei allem der Beste sein. Als Kind habe ich alle möglichen Sportarten probiert, aber nur im Rennsport war ich wirklich gut, also blieb ich dabei. Auf dieser Grundlage habe ich mir auch ein Ziel gesetzt: in die Formel 1 kommen."

Intensivförderprogamm durch Red Bull

Früh sah sich Speed, der in den USA schon als Talent bekannt war, nach einer Karriere in europäischen Nachwuchsklassen um. Doch Möglichkeiten gab es zu diesem Punkt keine. "Ich wusste, dass wir nach Europa gehen müssen, aber zu dieser Zeit war völlig unklar, wie wir das anstellen sollten", so der 22-Jährige. "Meine Familie hatte nicht genug Geld, um mich dabei zu unterstützen, und im Finden von Sponsoren war ich einfach nicht gut."

Robert Doornbos Speeds Chance kam durch Red Bull. Im Nachwuchsprogramm in den USA wurde er entdeckt und absolvierte 2003 eine Saison in der Britischen Formel 3. Speed litt unter eine Krankheit, die erst später als Dickdarmentzündung diagnostiziert wurde. Er verlor mehr als zehn Kilogramm Körpergewicht, ehe es wieder aufwärts ging. Nur ein Jahr später meldete er sich mit dem Titel in der Formel-Renault zurück.

In den Formel-Renault-Rennen hatte er es regelmäßig mit einem Landsmann zu tun: Colin Fleming. Beide bezogen in Salzburg eine gemeinsame Wohnung, um das Heimweh zumindest ein wenig einzudämmen. "Es war schon schwierig", so Speed. "Nur das gemeinsame Wohnen mit Colin machte es erträglich."

Im Unterschied zu rein finanziellen Förderprogrammen achten die Macher bei Red Bull auch darauf, ideale Rahmenbedingungen für die aufstrebenden Talente zu schaffen. "Jeder Aspekt eines Rennfahrers wird trainiert. Wir haben in Österreich sogar ein eigenes Fitness-Center." Die Betreuung der Nachwuchsfahrer übernehmen Sullivan und Helmut Marko.

Speed möchte von Anfang an vorn babei sein

Der Formel 1 hat der Amerikaner bereits fest in das Auge gefasst, aber nicht um jeden Preis. "Ich möchte in der Formel 1 sicher nicht am Ende der Startaufstellung stehen", erklärte er. Doch soweit ist es momentan ohnehin noch nicht. Seine Erfahrung in einem Formel-1-Auto hält sich in überschaubaren Grenzen. Mit den Einsätzen in Kanada absolvierte er bisher gerade einmal 590 Kilometer in einem Formel-1-Boliden.

"Es ist definitiv das leistungsstärkste Auto, das ich je gefahren bin", so Speed. "Mein erster Eindruck war: 'Wow!' Besonders die Bremsleistung hat mich beeindruckt. Schon beim ersten Test konnte ich zudem 68 Runden drehen und mich damit für die Superlizenz qualifizieren. Auch die Analyse der Daten fand ich faszinierend. Zudem fühlte ich mich nach dem Test gut, ich habe auch hart dafür trainiert."

Trotz der Formel-1-Tests und der Einsätze als Freitagstester gilt seine Aufmerksamkeit weiter den GP2-Rennen. Die Konkurrenz ist mit Nelson Piquet Jr., Nico Rosberg, Heikki Kovalainen, Adam Carroll und den Ex-Formel-1-Fahrer Giorgio Pantano und Gianmaria Bruni stark. Paul Jackson, Teamchef des Teams 'iSport International', für das Speed antritt, glaubte sofort an das Talent des US-Amerikaners. "Ich hatte gute Insiderinformationen darüber, wie gut Scott ist. Er stand sofort auf meiner Liste. Er hat schon bewiesen, dass er schnell und konstant ist."

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