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Offiziell: Red Bull steigt in Spielberg wieder ein

16. Juni 2005 - 15:01 Uhr

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hat Red Bull die Zusage gegeben, für 150 Millionen Euro in Spielberg neue Anlagen zu errichten

Die Überbleibsel des 'Projekts Spielberg'
In Spielberg, wo derzeit nur Schutt liegt, soll schon bald wieder gebaut werden
© Manfred Noger

(Motorsport-Total.com) - Im Januar dieses Jahres wurde dem ehrgeizigen 'Projekt Spielberg', welches damals mit einem Investitionsvolumen von 700 Millionen Euro geplant war, überraschend die Grundsatzgenehmigung entzogen. Grundlage dafür waren Schwierigkeiten mit der Umweltverträglichkeitsprüfung. Red Bull erklärte das Projekt für tot und zeigte keine Ambitionen, das Areal, auf dem heute nur noch ein paar Tribünen und die Fahrbahn selbst vorhanden sind, gewerblich zu nutzen.

Doch nachdem Red-Bull-Konzernchef Dietrich Mateschitz trotz mehrerer Demonstrationen der Bevölkerung und trotz des Arguments, dass das Projekt aus wirtschaftlicher Sicht für die Region im steirischen Aichfeld überlebenswichtig sei, stur blieb, erfolgte in der Nacht von gestern auf heute völlig überraschend die Wende in der Causa Spielberg: Auf Drängen von Landeshauptfrau Waltraud Klasnic erklärte sich der Energydrink-Hersteller überraschend bereit, doch wieder einzusteigen.

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"Sinnvolle Fortführung beziehungsweise Neuausrichtung"

Die Absichtserklärung von Red Bull an die steirische Landesregierung liest sich folgendermaßen: "Gerne bestätigen wir Ihnen, als Partner für eine sinnvolle Fortführung beziehungsweise Neuausrichtung der Rennstrecke in Spielberg zur Verfügung zu stehen. Insbesondere denken wir an eine Verwendung des ehemaligen Formel-1-Rings als Prüf-, Test- und Incentive-Strecke durch entsprechende Industriepartner. Voraussetzung dafür ist eine mit den Partnern und deren Anforderungen abgestimmte Neueinrichtung des Projekts, dessen Genehmigung bis zur Baureife im Verantwortungsbereich des Landes Steiermark liegt." Ihr
Adrian Sutil

Doch wie geht es nun konkret weiter? Als erste Maßnahme wurde die 'Spielberg neu Projektentwicklungs GmbH.' gegründet, die sich mit der Planung befassen soll. Innerhalb der nächsten Monate will Klasnic durch professionelle Projektbegleitung seitens der Politik sicherstellen, dass es diesmal zu keinen Schwierigkeiten mit den behördlichen Prüfstellen und den Anrainern kommen kann, und schon in ungefähr einem Jahr könnte mit dem Bau begonnen werden.

Allerdings ist das 'Projekt Spielberg' in seiner ursprünglichen Form endgültig gestorben, weil eine einfache Neueinreichung beim Umweltsenat, der seinerzeit sein Veto eingelegt hatte, nicht mehr möglich ist. Stattdessen will Red Bull gemeinsam mit weiteren Investoren nur maximal 150 Millionen Euro investieren. Die ursprünglich geplante Flugakademie ist laut Medienberichten aber ebenso dem Rotstift geopfert worden wie die weitläufige infrastrukturelle Verbesserung des Areals.

Formel 1 nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich

Nicht ausgeschlossen ist, dass sich Red Bull um eine Rückkehr der Formel 1 in die Steiermark bemühen wird. Die Voraussetzungen dafür wären jedenfalls gegeben: "Der alte Österreichring hat 35 Millionen Euro gekostet, und jetzt liegt ein Projekt am Tisch, das sich im Bereich zwischen 100 und 150 Millionen bewegt. Das heißt, es wird deutlich besser und schöner als das alte Projekt", erklärte Ernst Wustinger, Geschäftsführer der neu gegründeten Planungsfirma.

Die steirische Landesregierung bestätigte die Wiederaufnahme des Projekts: "Ich gehe davon aus, dass nach Planung und Vorlage der Umweltverträglichkeitserklärung innerhalb eines Jahres der UVP-Bescheid vorliegen wird und mit dem Neubau begonnen werden kann, wenn keine Berufungen einlangen", so Landeshauptfrau Klasnic. "Finanziert wird das Projekt, durchgeführt und auch in Betrieb genommen von den Industriepartnern und Red Bull. Das ist die Zusage."

Landtagswahlen in der Steiermark als Anstoß

Auch wenn dies von offizieller Seite natürlich dementiert wird, kommt Klasnics Interesse an einer Reaktivierung der Ambitionen von Red Bull nicht von ungefähr, schließlich stehen in der Steiermark demnächst Landtagswahlen bevor. Unter dem Scheitern des ursprünglichen Projekts hatte vor allem ihre konservative ÖVP gelitten. Darüber hinaus möchte Klasnic mit ihrem jüngsten Coup jene Wähler an sich binden, die ansonsten zur neuen Liste von Gerhard Hirschmann gewechselt wären, der seinerzeit als damaliger Sportlandesrat der ÖVP einer der Drahtzieher hinter dem Formel-1-Comeback in Spielberg im Jahr 1997 war.

Dementsprechend skeptisch stehen beispielsweise die steirischen Grünen den neuen Plänen gegenüber: "Man wird sehen, was von diesem Projekt übrig bleibt, wenn die Landtagswahl einmal vorbei ist. Das Projekt ist sehr vage, sagt wenig aus. Was auffällt, ist, dass die Landeshauptfrau zugibt, dass von Seiten des Landes sehr unprofessionell gehandelt wurde, wenn sie sagt, sie werde dafür sorgen, dass es jetzt ein professionelles UVP-Verfahren geben werde", so eine Parteisprecherin. Die restlichen Parteien reagierten allerdings durchwegs positiv auf die Wiederaufnahme des Projekts.