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Prost: "Man hat die Formel 1 zugrunde gerichtet"

22. Februar 2005 - 16:14 Uhr

Ex-Formel-1-Weltmeister Alain Prost geht mit der Formel 1, ihrem Reglement und dem kindischen Verhalten der Teambosse ins Gericht

Alain Prost
Alain Prost glaubt nicht, was er in der Formel 1 so sieht...
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Nach 14 Jahren Formel 1, 51 Siegen und vier WM-Titeln hatte Alain Prost mit seinem Prost-Team noch einen kurzatmigen Auftritt (1997-2001) in der "Königsklasse des Motorsports", doch dann zog sich der heute 49-Jährige endgültig aus der Formel 1 zurück. Heute vertreibt er sich die Zeit unter anderem in der Trophée Andros beim Eisrennen am Steuer eines Toyota: "Diese Rennen sind eine Art Jungbrunnen für mich", erklärt "der Professor" im Interview mit der 'motorsport aktuell'.

Sechs Monate lang hatte Prost die Formel 1 nicht mehr verfolgt, nachdem sein Rennstall zusperren musste, danach schaute er sich hin und wieder ein Rennen an, heute verpasst er keinen WM-Lauf mehr, obwohl ihm die moderne Formel 1 ziemlich missfällt: "Das Spektakel ist nicht so wie es sein sollte. Die Formel 1 wurde nicht zerstört, man hat sie zugrunde gerichtet."

Seiner Meinung nach ist die Formel 1 nur noch ein TV-Ereignis, die Fans kommen zu kurz und nach Shanghai wären auch 300.000 Zuschauer gekommen, "wenn man ihnen gesagt hätte, dass sie bei einem Windhund-Rennen Spaß haben können". Mit der "Keimfreiheit", die die Automobilhersteller in der Formel 1 haben möchten, könne man keine Fans begeistern, so Prost.

Was würde Alain Prost ändern? Die Tankstopps würde der Franzose abschaffen, da sie zu gefährlich sind und aus strategischer Sicht nicht spannend sind. Stattdessen Slicks und drei verschiede Reifenmischungen zulassen, um mehr taktische Vielfalt zu sehen: "Der Ausgang der Rennen wäre offener", glaubt der Rennfahrer.

Dass sich die Teams nicht auf umfassendere Reglementänderungen einigen können, ist für Prost logisch. Zum einen ist da Ferrari, jenes Team, das die letzten Jahre dominiert hat und Angst hat, dass die Erfolgsserie im Zuge eines Umkrempeln des Reglements reißen könnte: "Stimmt Ferrari trotzdem zu oder drängen die Italiener sogar auf eine Änderung, haben alle anderen das Gefühl, dass Ross Brawn die neuen Teile nur noch ans Auto montieren muss, weil Ferrari schon seit Monaten im stillen Kämmerlein daran arbeitet. Ein solches Verhalten ist dumm und erinnert an den Kindergarten."

Als Nachfolger von Bernie Ecclestone sieht sich Alain Prost trotzdem nicht, weil seiner Meinung nach der 74-jährige Brite fantastische Arbeit geleistet hat. Aber: "Wenn ich mit meiner Erfahrung der Formel 1 in einer Form helfen kann, bin ich bereit, dies zu tun. Schließlich hat mir die Formel 1 auch viel gegeben, und ich bin heute noch von ihr fasziniert."

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