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Jordan-Toyota beendet ernüchternde Testwoche

18. Februar 2005 - 19:39 Uhr

Die Gelben backen jetzt eben kleinere Brötchen, daher zog man nach den viertägigen Testfahrten in Barcelona zufrieden Bilanz

Nicky Pastorelli
Nicky Pastorelli bei seinem Jordan-Debüt mit dem Helm seines Teamkollegen
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Pressemitteilungen sind eine Sache, die Wahrheit eine andere - das ist in der Formel 1 nicht neu. Auf Jordan-Toyota, seit ein paar Wochen unter der Kontrolle des 'Midland'-Konzerns, trifft dies fast schon beispielhaft zu: Offiziell ist man mit den bisherigen Wintertestfahrten zufrieden, tatsächlich steht man aber vor der wahrscheinlich schwierigsten Saison in der Teamgeschichte.

Neo-Eigentümer Alexander Shnaider scheint seinen Vorsatz, mit einem weißen Blatt Papier beginnen zu wollen, offenbar trotz der Jordan-Übernahme sehr ernst zu nehmen. Mit Narain Karthikeyan und Tiago Monteiro wurden zwei Piloten ohne Formel-1-Erfahrung verpflichtet, die noch dazu in diversen Nachwuchskategorien nicht mit überragenden Ergebnissen aufgefallen sind. Darüber hinaus hat man sich von Designer Mark Smith getrennt, einem ausgewiesenen Top-Mann.

Karthikeyan nur eine halbe Sekunde langsamer als "Schumi II"

Entsprechend ernüchternd sind auch die vier Testtage diese Woche in Barcelona verlaufen, an denen die gelben Renner mit erstaunlicher Hartnäckigkeit die letzten Positionen für sich beanspruchten. Heute gab wenigstens Karthikeyan ein Lebenszeichen von sich: Der Inder verlor zwar mehr als drei Sekunden auf den neuen 2005er-Streckenrekord von Alonso im Renault, kam aber bis auf 481 Tausendstel an Ralf Schumachers Toyota-Zeit heran.

Teamkollege Monteiro war um rund eine halbe Sekunde langsamer, war aber in Rennkonfiguration unterwegs, um sich auf sein Grand-Prix-Debüt vorzubereiten: "Jeder Kilometer ist wertvoll und heute wollte ich mehr zum Fahren kommen als an den vorangegangenen Tagen", erklärte der Portugiese, der 120 Runden, 567 Kilometer beziehungsweise 186 Prozent einer Barcelona-Renndistanz ohne körperliche Probleme zurücklegte.

"Wir hatten unsere erste Qualifying- und Rennsimulation geplant und waren ein wenig nervös, aber es ist ganz gut gelaufen", fuhr Monteiro fort. "Ich habe 56 Runden mit zwei Boxenstopps absolviert. Es war großartig und körperlich hatte ich keinerlei Schwierigkeiten, was mich sehr freut. Am Nachmittag haben wir dann verschiedene Teile getestet und die Zeiten wurden immer besser. Wir kommen näher an die Spitze ran. Im Moment fehlen ungefähr drei Sekunden, was gar nicht so schlecht ist, wenn man bedenkt, wie wenig Vorbereitungszeit wir hatten."

Monteiro zufrieden: "So weit, so gut"

"Die ganze Woche war eine einzige Evolution. Wir haben uns ein dicht gestaffeltes Programm vorgenommen, viele verschiedene Dinge ausprobiert und dabei auch eine Menge gelernt. Ich glaube, ich habe mich sehr gut ins Team eingefügt und ich verstehe mich gut mit den Leuten hier. Ich genieße es. So weit, so gut", ergänzte der 28-Jährige, der vor seinem Jordan-Engagement erst einmal - für Minardi - einen Formel-1-Test bestreiten durfte.

Neben den beiden Stammpiloten setzten die Gelben aus Silverstone heute auch Nicky Pastorelli ein, den amtierenden Meister der Formel Superfund, der gegen Mittag überraschend in der Boxengasse aufgetaucht ist. Der Niederländer stieg in einem gelben Overall ohne Sponsorenaufkleber und mit Karthikeyans Helm in einen EJ15 und absolvierte insgesamt 29 Runden, wobei er nicht über ein Einfahren hinauskam.

Kuriose Geheimniskrämerei um Neuling Pastorelli

Christian Kuhn Ungewöhnlich ist in diesem Zusammenhang, dass das Geschehen von einigen Fotografen festgehalten wurde, die das Team prompt gebeten hat, die Fotos nicht zu veröffentlichen. Ein paar Stunden später hatte die Geheimniskrämerei dann ein Ende und die Fotos wurden freigegeben. Hintergrund: Pastorelli soll laut seinem Manager schon in den nächsten Tagen als Freitagstestfahrer bestätigt werden.

Mit Karthikeyan, Monteiro und Pastorelli hat Jordan-Toyota die wahrscheinlich unerfahrenste Fahrerkombination der Formel 1 unter Vertrag genommen. Da es sich aller Wahrscheinlichkeit nach bei keinem dieser Piloten um einen künftigen Weltmeister handelt, muss man sich die Frage stellen, warum 'Midland' im Übergangsjahr 2005 nicht schon ein solides Fundament aufbaut, sondern auf volles Risiko setzt...

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