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Surer: "Wenn 'Schumi' geht, wird Ferrari zerfallen"

26. Dezember 2004 - 09:54 Uhr

Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer analysiert im Interview die Übermacht von Ferrari und unterstreicht, dass 19 Rennen pro Jahr zu viel sind

Marc Surer
Marc Surer fuhr früher selbst in der Formel 1 und kommentiert heute für 'Premiere'
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Frage: "Marc, für 2004 hast du uns einen WM-Kampf zwischen McLaren-Mercedes und BMW-Williams prophezeit. Wie konntest du nur so daneben liegen?"
Marc Surer: "Das zeigt, dass meine Stärke eher im Analysieren als im Prophezeien von Sachverhalten liegt. Ich ging davon aus, dass die mit Michelin-Reifen fahrenden Teams dieses Jahr einen Vorteil haben. Dass Bridgestone in der Entwicklung so aufholt, hätte ich nicht für möglich gehalten."

Frage: "Aber warum waren Ferrari und Michael Schumacher erneut so dominant?"
Surer: "Ferrari baute wieder ein sehr gutes Auto. Und zusammen mit Michael Schumacher, dem besten Fahrer, erwies sich diese Kombination als praktisch unschlagbar. Weil das Team schon so viele Jahre zusammen ist, kann es sich um Details kümmern, die andere vernachlässigen müssen, weil sie zuerst größere Probleme zu lösen haben."

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Ferrari wird zerfallen, wenn eine Schlüsselfigur geht

Frage: "Und wie lange wird das noch so weitergehen?"
Surer: "Ferrari erntet die Früchte jahrelanger Aufbauarbeit. Das wird so lange dauern, bis eine der Schlüsselfiguren - Ross Brawn, Rory Byrne oder Jean Todt - Ferrari verlässt. Dann wird das Team zu bröckeln beginnen. Und wenn Michael Schumacher geht, der das ganze Team zu Höchstleistungen motiviert, wird das Team zerfallen."

Frage: "Wie war das für dich als Kommentator, wenn du ständig erklären musstest, weshalb Michael Schumacher schon wieder gewinnt?"
Surer: "Manchmal war das schwierig, weil über ihn alles schon gesagt wurde und mir nichts Neues mehr einfiel. Aber wir erleben den besten Rennfahrer aller Zeiten, und ich bin stolz, seine Rennen kommentieren zu dürfen. So ein Ausnahmekönner wie ihn wird es wohl nie mehr geben. Irgendwann werden wir alt und grau sein, am Stammtisch sitzen und sagen: 'Weißt Du noch, der Schumacher, wie der sie alle abgetrocknet hat?'"

Frage: "Erachtest du diese Dominanz als Problem für die Formel 1?"
Surer: "Ja, sie ist gefährlich. Vor 20 Jahren wäre das kein Thema gewesen, aber heute ist das Publikum verwöhnt. Und es hat die Möglichkeit wegzuzappen oder abzuschalten, da ein Überangebot an Unterhaltungsmöglichkeiten besteht. Viele setzen sich aber auch nur vor den Fernseher, weil sie Schumacher siegen sehen wollen."

Surer fürchtet eine Übersättigung des TV-Publikums

Frage: "2005 stehen 19 Rennen auf dem Programm. Zu viele?"
Surer: "Ich finde ja, denn es besteht die Gefahr der Übersättigung bei den Fans. Auch hier gilt: Allzu viel ist ungesund. Das Tennis machte es vor. Zu Zeiten von Boris Becker und Steffi Graf lief in Deutschland täglich Tennis im TV - so lange, bis es keiner mehr sehen konnte."

Frage: "Immer mehr Rennen, davon immer mehr in Übersee. Entwickelt sich die Formel 1 in eine gesunde Richtung?"
Surer: "Wenn die Formel 1 eine echte Weltmeisterschaft sein will, muss sie auf allen Kontinenten fahren. Um neue Geldgeber zu finden - bald müssen ja die Zigarettensponsoren ersetzt werden -, bietet einem ein Markt wie China optimale Möglichkeiten. Aber die Formel 1 darf die Basis nicht verlieren. Und die ist in Westeuropa. Alle Teams haben ihren Sitz hier. Auch müssen Traditionsstrecken wie Monaco, Silverstone und Monza unbedingt beibehalten werden. Mit diesen Strecken identifizieren sich die Leute."

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