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Der verlorene Abtrieb

22. Dezember 2004 - 12:08 Uhr

Die Formel-1-Teams wollen die Auswirkungen der veränderten Aerodynamikregeln für die Saison 2005 minimieren

Jordan-Heckflügel
Die Heckflügel rutschen für die Saison 2005 weiter nach vorne
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Das Ziel der FIA war von Anfang an klar: Die Formel-1-Boliden sollen 2005 wieder langsamer werden, gerade die hohen Kurvengeschwindigkeiten sollen sinken. Hierfür wurden gravierende Einschnitte in die Aerodynamik vorgenommen. Bereits bei den Testfahrten in November und Dezember rückten einige Rennställe mit Interimsboliden aus, um die Auswirkungen der aerodynamischen Beschneidungen begutachten zu können.

"Die Aerodynamik hat in den letzten Jahren stetig an Bedeutung gewonnen und macht heute rund drei Viertel der Performance eines Formel-1-Autos aus", erklärte Teamchef Peter Sauber. Trotz der beschlossenen Veränderungen wird sich an dieser Tatsache kaum etwas ändern. Im Sauber-Team ist hierfür auch ein neuer Computer mit dem Namen "Albert" im Einsatz. Mittels 'CFD' (Computational Fluid Dynamics), oder zu Deutsch "computergestützte Strömungssimulation", soll die Aerodynamik weiter verbessert werden.

In jedem Jahr versuchen die Aerodynamiker der Teams, mehr und mehr Abtrieb zu finden. Für die Saison 2005 gestaltet sich diese Aufgabe jedoch ein wenig anders. Nun gilt es, den durch die Regeländerungen verlorenen Abtrieb zum Teil wieder zurückzugewinnen, während die aerodynamische Balance nicht grundlegend verändert werden sollte.

Gravierende Aerodynamikänderungen

Sven Haidinger
Einige Änderungen waren schon bei den Tests in Barcelona und Jerez mit bloßem Auge zu erkennen: Der Frontflügel rutschte um fünf Zentimeter nach oben, der Heckflügel muss nun zehn Zentimeter weiter vorne platziert sein, der Diffusor wurde verkleinert und die meisten Zusatzflügelchen wurden verboten. In ersten Versuchen der Teams zeigte sich die gravierende Auswirkung der Änderungen.

"Als wir ein Paket für 2005 in den Windkanal stellten, hatten wir einen Verlust von fast 30 Prozent. Da haben wir schon einiges zurückgeholt", erklärte Ferraris Technikchef Ross Brawn. "Wir wären zufrieden, wenn wir am Ende 15 Prozent verlieren würden." Eine ganz ähnliche Erfahrung machte auch das BMW-Williams-Team. "Wir haben 30 Prozent verloren, als wir erstmals nach den neuen Regeln gearbeitet haben", so der Technische Direktor Sam Michael.

Nun wird in den Windkanälen der Formel-1-Teams im Schichtbetrieb gearbeitet, um bis zum Saisonstart möglichst viel dieses Verlustes wieder ausgleichen zu können. "Wie viel wir zurückbekommen werden, ist die große Frage. Es ist natürlich noch ein langer Weg, aber im Moment gibt es fundamentale Einschränkungen in Bezug auf das Bodywork, besonders den Diffusor. Egal, wie viel Arbeit man auch investiert, man wird niemals dorthin kommen, wo man zuvor gestanden ist."

20 Prozent Abtriebsverlust beim Saisonstart

Robert Doornbos Die ersten Eindrücke der Fahrer waren nicht nur positiv. Die Autos verhalten sich durch den wenigen Abtrieb sehr unruhig, Fehler können leichter passieren. "Es gibt weniger Abtrieb, was man speziell in mittelschnellen Kurven bemerkt. Das Heck des Autos wird auch eher eine Tendenz zum Rutschen haben, was für den Fahrer lustig ist, aber Zeit kostet", erklärte Renault-Testfahrer Franck Montagny.

Wunder erwartet kein Team, so wäre man bei BMW-Williams zufrieden, wenn man bis zum Saisonauftakt wieder ein Drittel es Abtriebverlustes ausgeglichen hätte. "Über den Winter können wir einiges wieder zurückholen, aber um die 20 Prozent werden wir dennoch verlieren", so Michael weiter. "Zehn Prozent entsprechen einem Zeitverlust von knapp einer Sekunde."

Auch die anderen Teams streben bis zum Saisonbeginn ähnliche Zahlen an, somit wird ein Teil des Verlustes zumindest wieder ausgeglichen. Eines wurde durch die Regeländerungen aber offensichtlich: Die Aerodynamikabteilungen werden auch künftig eines der wichtigsten Teile der Teams bleiben, was gerade die kleinen Rennställe hart treffen könnte. "Jeder, der 24 Stunden am Tag und 20 Tage im Monat im Windkanal ist, wird Minardi schlagen", erklärte Gian Carlo Minardi. Der Italiener nutzen den Kanal des Felgenherstellers 'Fondmetal', der nicht immer verfügbar ist.

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