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Ralf Schumacher: "So wollte ich nicht gehen"

11. Oktober 2004 - 10:45 Uhr

Nur noch ein Rennen, dann verabschiedet sich Ralf Schumacher nach sechs Jahren vom BMW-Williams-Team

Ralf Schumacher
Wirklich euphorisch wirkte Ralf Schumacher am Podium in Suzuka nicht
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com/sid) - Als er endlich wieder auf dem Treppchen stand, da schämte sich Ralf Schumacher fast ein wenig, seine Freude offen zu zeigen. Auch rund 30 Minuten später stand der 29-Jährige nach dem zweiten Platz von Suzuka noch ungewohnt zurückhaltend Rede und Antwort: "Ich war überrascht, dass ich Michael folgen konnte. Ich freue mich für das Team", sagte "Schumi II", der in 14 Tagen in Brasilien zum letzten Mal im BMW-Williams sitzen wird.

Obwohl sein Wechsel zu Toyota längst feststeht, gilt die ganze Aufmerksamkeit weiter seinem Noch-Arbeitgeber: "Ich gebe nach wie vor mein Bestes, schließlich war ich ja sechs Jahre hier", meinte Schumacher, der sich in Japan nur Bruder Michael geschlagen geben musste. "Ralf ist ein wirklich tolles Rennen gefahren, das gibt dem Team enormen Auftrieb", sagte BMW-Sportdirektor Mario Theissen. Weltmeister Michael Schumacher lobte: "Ralf hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet und gezeigt, dass man niemanden abschreiben darf."

Nach einem Jahr voller Pleiten, Pech und Pannen hat "Schumi II" mit dem bislang besten Saisonergebnis ein fast nicht mehr erwartetes Happy End gefeiert. Erst fuhr er nur hinterher, dann erreichte er mit dem schweren Unfall am 20. Juni in Indianapolis den Tiefpunkt seiner Karriere. Sechs Rennen musste er pausieren, fast schien es, als sollte der Wahl-Österreicher in diesem Jahr überhaupt nicht mehr ins Cockpit steigen.

"So wollte ich nicht gehen. Ich war es BMW-Williams nach dieser langen Zeit einfach schuldig, noch einmal zurückzukommen", sagte er. Bereits beim Comeback vor zwei Wochen in Shanghai beeindruckte der Kerpener mit einer guten Vorstellung, ehe er von Silberpfeil-Pilot David Coulthard ins Aus befördert wurde.

Bei Toyota soll Schumacher angeblich 18 Millionen Euro im Jahr verdienen, das wären sechs bis acht Millionen mehr als bisher. Das Geld sei aber nicht der Grund für den Wechsel gewesen, betont der 29-Jährige, der sich vor allem auf die "große Herausforderung freut, bei Toyota etwas Neues aufzubauen". Allerdings hat er bei den Japanern, die ihr Formel-1-Projekt von Köln aus steuern, in seinem neuen Teamkollegen Jarno Trulli eine harte Nuss zu knacken. Karl Wendlinger

Auf die traditionelle Formel-1-Feier in den Karaoke-Bars neben dem 'Circuit Hotel' von Suzuka verzichtete Schumacher am Sonntag: "Ich möchte nach Hause und dort eine Woche mit meiner Familie genießen", sagte er. Außerdem habe er seit 1996 jedes Mal in den berüchtigten Holzkabinen gesessen und alle wilden Parties nach dem Japan-Grand-Prix miterlebt: "Da muss ich nicht mehr hin, da fühlt man sich am nächsten Tag immer so wahnsinnig schlecht."

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