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Die Stunde der Strategen

Die Strategie ist in der Formel 1 nicht mehr wegzudenken, selbst wer das beste Auto hat, darf sich keine Schwäche leisten

Ross Brawn
Ross Brawn von Ferrari gilt als der beste Stratege in der Boxengasse
© Ferrari

(Motorsport-Total.com) - Ein schnelles Auto und ein guter Fahrer sind nicht die einzigen Erfolgsfaktoren in der Formel 1. Auch die richtige Rennstrategie spielt eine immer größere Rolle. Neben der Technik entscheidet in der Königsklasse des Motorsports auch die Taktik über eine gute Performance - und damit über Sieg oder Niederlage.

Die Stunde der Strategen schlägt auch beim Großen Preis von China schon lange vor dem Start. Durch die Einschränkungen, die das neue Reglement den Teams auferlegt, bleibt ihnen in dieser Saison noch weniger Zeit für die Abstimmung des Autos oder Experimente mit verschiedenen Strategien. Auch bei Williams konzentrieren sich die Ingenieure deshalb schon in der Woche vor dem Rennen auf Simulationen, die sie bei der Ausarbeitung einer Erfolg versprechenden Renntaktik unterstützen.

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"Wir simulieren zunächst den schnellsten Weg auf der Strecke und vergleichen unter dem Gesichtspunkt Zeit die unterschiedlichen Strategien", erläutert Sam Michael, der als Technischer Direktor von Williams auch für die Renntaktik verantwortlich ist. Während des Grand-Prix-Wochenendes geht es dann vor allem darum, die Strategie, auf die er sich mit seinen Ingenieuren festgelegt hat, weiter zu verfeinern und sicherzustellen, dass die Autos die volle Distanz durchstehen. "Kurz vor dem Rennen versucht man nicht mehr, das Auto schneller zu machen", sagt er, "da arbeitet man nur noch an der Zuverlässigkeit."

Bei ihren strategischen Überlegungen vertrauen Sam Michael und seine Kollegen normalerweise vor allem auf Informationen, die aus Telemetriedaten früherer Rennen zusammengetragen wurden. Mit Hilfe leistungsfähiger Computer können sie das Rennen zusätzlich in einer virtuellen Landschaft simulieren und dabei verschiedene Variablen wie Reifentyp, Tankinhalt, Motorabstimmung und Abtrieb je nach Bedarf ändern. Besonders wichtig sind diese Simulationen bei neuen Strecken wie dem 'Shanghai International Circuit', für die noch keine Erfahrungswerte aus Tests und Rennen vorliegen. An der Rennstrecke stellen diese Computer die nötige Verarbeitungsleistung bereit, falls die Taktik kurzfristig neuen Bedingungen wie etwa einem plötzlichen Wetterumschwung angepasst werden muss.

Eine der wichtigsten Komponenten, an denen sich die Rennstrategie ausrichtet, ist die Startaufstellung. "Wenn man aus der ersten Reihe startet", so Sam Michael, "kann man eher die optimale Strategie umsetzen, weil man keine anderen Autos vor sich hat." Durch das neue Reglement mit der Ein-Motoren-Regel und dem geänderten Qualifyingmodus finden sich immer häufiger auch Top-Fahrer in einer der hinteren Startreihen. Auch dafür gibt es die passende Strategie: "Wer von weiter hinten starten muss, aber ein gutes Auto hat, sollte weniger Boxenstopps einplanen, um bei seiner Aufholjagd nicht zuviel Verkehr zu haben."

Die von den Strategen an der Boxenmauer ausgearbeitete Taktik muss, im Gegensatz zu früheren Jahren, nicht nur im Rennen selbst funktionieren. Durch die neuen Regeln ist quasi schon das Qualifying ein Bestandteil des Rennens. Da an den Autos zwischen Qualifying und Rennen nichts mehr verändert werden darf, müssen sie schon für die Jagd nach der Pole Position so ausgelegt sein, dass sie auch die volle Renndistanz durchstehen. Unter Zeitdruck stehen die Verantwortlichen auch bei so grundsätzlichen strategischen Entscheidungen wie der Anzahl der Boxenstopps, weil sie sich ebenfalls schon vor dem Start des Qualifyings darauf festlegen müssen, mit wie viel Litern Sprit im Tank sie ihre Autos ins Rennen schicken.

Trotz aller Vorarbeiten steht die Strategie in jeder Phase des Rennens auf dem Prüfstand. Durch die Datenübertragung an die Box sind die Ingenieure stets über die Temperatur von Motor und Getriebe sowie den Reifendruck informiert, außerdem haben sie ein Auge auf den Bremsenverschleiß. Schnelle strategische Entscheidungen sind aber nicht nur bei technischen Problemen gefragt oder wenn beschädigte Karrosserieteile einen außerplanmäßigen Boxenstopp notwendig machen. Anlass für einen vorgezogenen Stopp kann beispielsweise eine Safety-Car-Phase sein, die gerne zum Reifenwechsel oder Tanken ohne allzu großen Zeitverlust genutzt wird. Auch wenn ein Fahrer von langsameren Konkurrenten längere Zeit blockiert wird und dadurch das Potenzial seines Autos nicht voll nutzen kann, ist eine kurzfristige Änderung der Strategie durch ein Vorziehen des demnächst ohnehin anstehenden Boxenstopps sinnvoll.

Was in der modernen Formel 1 zum "Kleinen Einmaleins der Rennstrategie" gehört, war 1957 noch ein viel bestaunter Coup: Damals startete Juan Manuel Fangio beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring mit einem halbvollen Tank, weil er sicher war, dass die Reifen seines Maserati im Gegensatz zu denen seiner Ferrari-Konkurrenten keine Renndistanz durchhalten würden. Mit dem leichteren Auto fuhr der gewiefte Stratege dann auch locker den für einen Reifenwechsel notwendigen Vorsprung heraus, gewann das Rennen und holte sich mit diesem Sieg seinen fünften Weltmeistertitel.

Solche strategischen Entscheidungen werden den Fahrern heute fast immer vom Team abgenommen. "Der Fahrer", sagt Sam Michael, "hat nicht die Informationen, um so eine Entscheidung treffen zu können. Er ist ganz darauf konzentriert, schnell zu fahren."

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