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Sieg der Knöpfe: Das Formel-1-Lenkrad

Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat sich das Lenkrad im Zuge des Einzugs der Elektronik in den Sport stark verändert

Lenkrad
So teuer wie ein Mittelklasse-Wagen: Das Formel-1-Lenkrad
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Früher waren die Lenkräder in der Formel 1 rund und einzig und allein dazu da, die Boliden auf der Ideallinie um den Kurs zu steuern. Doch das ist schon lange her. Heute sind sie die Schaltzentrale im Cockpit, ausgerüstet mit Knöpfen und Schaltern, die den Job der Piloten auch beim Großen Preis von Kanada einfacher und das Auto schneller machen sollen. Und rund sind sie auch nicht mehr.

Im Geschichtsbuch der Formel 1 muss man gar nicht so weit zurückblättern, um sich die rasante Veränderung des Lenkrads vor Augen zu führen. Noch 1992 war es rund, mit einem Stück Metall in der Mitte, auf dem in der Regel nur drei Knöpfe angebracht waren - einer um den Leerlauf einzulegen, einer um die Trinkflasche zu aktivieren und einer für den Funk. Für die Gesamtperformance des Fahrzeugs waren das noch keine entscheidenden Faktoren.

Vom Lenkrad zur Kommandozentrale

Doch der Siegeszug der Elektronik in der Formel 1 setzte eine revolutionäre Entwicklung in Gang. Einer der Vorreiter war Ende der achtziger Jahre der damalige Technik-Guru John Barnard, der im Auto von Nigel Mansell ein System installierte, das es ihm erlaubte, mit einer Wippe zu schalten, ohne dafür die Hände vom Lenkrad nehmen zu müssen. Das war nicht nur einfacher, sondern spart, bei rund 3.000 Gangwechseln pro Grand Prix, auch noch Zeit.

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Das war allerdings erst der Anfang. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Knöpfe und Schalter hinzu, zum Beispiel zum Aktivieren der Startautomatik oder des Geschwindigkeitsbegrenzers in der Boxengasse. Darüber hinaus kann der Fahrer am Lenkrad inzwischen die Feinabstimmung seines Autos noch während des Rennens optimieren, beispielsweise durch Verstellen der Bremskraftverteilung auf Vorder- und Hinterräder oder durch Verändern von Traktionskontrolle, Differential und Kraftstoff-Luft-Gemisch des Motors.

Bei 300 Sachen auf der Suche nach dem richtigen Knopf

Die Vielzahl der Knöpfe setzt für eine optimale Performance des Autos eine gewisse Fingerfertigkeit des Piloten voraus. Damit er in der Hektik nicht den Überblick verliert, informiert ein großes Display über die aktuellen Einstellungen. Es zeigt dem Fahrer auch wichtige Parameter wie Rundenzeiten, Drehzahl und Geschwindigkeit an. Dieser Komfort hat seinen Preis: In der Kalkulation der Teams schlägt ein Lenkrad mit rund 25.000 Euro zu Buche.

Tatsächlich ist auch den Fahrern ihr "Hand-Werkszeug" lieb und teuer. Viele würden jedenfalls ihr Lenkrad allzu gerne eigenhändig zur Box zurücktragen, wenn sie einmal ihr Auto am Streckenrand unbeaufsichtigt abstellen müssen. Die Regel besagt aber, dass sie es wieder auf die Lenkstange stecken müssen, damit der Rennwagen manövrierfähig bleibt. Laut Reglement muss der Fahrer übrigens innerhalb von fünf Sekunden das Lenkrad abnehmen und das Cockpit verlassen können.

Fehlerträchtige Funktionsvielfalt

Das Lenkrad eines modernen Formel-1-Boliden ist jedenfalls ein Multitalent. Neben dem Lenken hat es im Schnitt noch zwölf weitere Funktionen. Rund 20 verschiedene Knöpfe und Schalter sind die Regel. "Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass die Fahrer mit den vielen Knöpfen generell überfordert sind", sagt der Formel-1-Experte Christian Danner, "aber das Fehlerpotenzial ist, wie die Praxis immer wieder zeigt, doch relativ hoch."

Ein im Eifer des Gefechts falsch gedrückter Knopf kann schon mal zu Missverständnissen etwa im Funkverkehr mit der Box führen. Manchmal handelt sich der Fahrer auch eine Durchfahrtstrafe ein, weil er bei der Fahrt zur Box statt des Speedlimiters versehentlich einen anderen Knopf drückt und dadurch zu schnell ist. Trotzdem sind die Knöpfe und Schalter, so die einhellige Meinung der Experten, in Griffweite am Lenkrad besser aufgehoben, als wenn sie sonst wo im Cockpit verteilt wären.

1,3 Kilogramm leichtes Fliegengewicht

Nicht nur wegen seiner Multifunktionalität ist das Lenkrad ein echtes Hightech-Produkt. Wie für das Auto selbst werden auch für die Produktion eines Lenkrads spezielle Leichtbaumaterialien wie Carbon, Aluminium und Titan verwendet, dazu Stahl, Gummi und Plastik. Insgesamt besteht es aus rund 120 Einzelteilen, wiegt aber trotzdem nur etwa 1,3 Kilogramm. Rund 100 Arbeitsstunden dauert seine Herstellung. Pro Formel-1-Saison werden für einen Fahrer normalerweise fünf Lenkräder produziert. Die Lenkräder für die zwei Fahrer eines Teams sind im Prinzip gleich, wenn auch nicht immer die jeweilige Funktion an der gleichen Stelle untergebracht ist: Der eine hat den Funkknopf eben lieber rechts am Daumen, der andere links am Zeigefinger.

Auch PKW-Fahrer lenken nicht nur mit dem Lenkrad

Auch in Serienfahrzeugen ist die Zahl der Funktionen und Einstellmöglichkeiten über die Jahre sprunghaft angestiegen. "Der Trend in der Serie - analog zur Formel 1 - Funktionalitäten hin zum Lenkrad zu verlagern, bedeutet mehr Komfort und mehr Sicherheit, da der Fahrer weniger vom Verkehrsgeschehen abgelenkt wird und gleichzeitig immer die Hände am Lenkrad behalten kann - sofern er mit dem Fahrzeug vertraut ist", so Dr. Hartmuth Wolff vom 'Allianz Zentrum für Technik'. "Denn es gibt große Unterschiede zwischen den Modellen verschiedener Fahrzeughersteller in Bezug auf Art und Platzierung der Bedienelemente."

In der Formel 1 könnte die Zahl der Knöpfe und Schalter schon in naher Zukunft reduziert werden. Und zwar dann, wenn sich Max Mosley, der Präsident der Fédération Internationale de l´Automobile (FIA), mit seinen Reformplänen für die Formel 1 durchsetzt, mit denen er vor allem die kostspielige Entwicklung immer neuer elektronischer Hilfen eindämmen will. Weniger Elektronik, zum Beispiel durch eine Einheitssoftware für alle Teams oder den Wegfall der Traktionskontrolle, würde automatisch weniger Knöpfe am Lenkrad bedeuten. Für Christian Danner ist das eine Gleichung, die aufgeht. "Dadurch würde automatisch noch mehr die Leistung der Fahrer in den Vordergrund rücken", prophezeit er, "allerdings darf natürlich die Sicherheit unter den Änderungen nicht leiden."

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