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Schnell gefährlich und gefährlich schnell

23. März 2004 - 20:30 Uhr

Trotz aller Beschneidungen durch das Reglement sind die Formel-1-Boliden auch in diesem Jahr dramatisch schneller geworden

Kimi Räikkönen
Die Formel-1-Autos werden immer schneller - gefährlich schnell
© West

(Motorsport-Total.com) - Wirft man einen Blick auf die Rundenzeiten bei den Großen Preisen von Australien und Malaysia, dann sind die Autos auch in diesem Jahr deutlich schneller geworden. Der BMW-Williams legte um über 3 Sekunden (!) pro Runde zu, BAR war rund 3 Sekunden, Ferrari und Renault rund 2,6 Sekunden schneller. Jedes Jahr werden die Autos schneller, obwohl der Automobilweltverband FIA versucht, die Rundenzeiten durch Eingriffe in das Reglement zumindest stabil zu halten. Die Autos sind gefährlich schnell, da kann es schnell gefährlich werden.

Jahr für Jahr machen die trickreichen Ingenieure dem Automobilwelterberand FIA einen dicken Strich durch die Rechnung. "Mit technischen Ressourcen, wie wir sie nicht haben, fällt ihnen immer wieder etwas Neues ein, um die Autos schneller zu machen", erklärt FIA-Präsident Max Mosley. "Drehen wir die Uhr zurück, geht danach das ganze Spiel von vorn los." So sind die Rundenzeiten dieses Jahr erneut deutlich gesunken, obwohl Mosley die Formel 1 durch die Ein-Motoren-Regel und der Limitierung der Heckflügelelemente auf zwei Einheiten einbremsen wollte.

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Reifen sind das "Übel"

"Normalerweise kann es uns ja nicht schnell genug gehen, aber wir kommen wegen der rasanten Reifenentwicklung in einen gefährlichen Bereich. Die Formel-1-Autos werden zu schnell", warnt Renault-Pilot Jarno Trulli in der 'msa'. "Der Reifenkrieg lässt uns Konstrukteure wie Idioten aussehen", fügt Toyotas Chefdesigner Gustav Brunner hinzu. Und Saubers Willy Rampf bestätigt: "Die Schritte auf der Reifenseite sind größer als das, was wir in langer Winter-Windkanalarbeit rausholen können. Das gilt für alle Teams. Die Reifenhersteller produzieren einen Schritt, der eine ganze Sekunde bringt, um aber mit dem Auto eine Sekunde zu finden, muss man unglaubliche Entwicklungen in Gang setzen."

Der letzte große Einschnitt in das Reglement erfolgte für die Saison 1998. Damals wurde die Breite der Autos von 200 auf 180 Zentimeter geschrumpft und die Rillenreifen eingeführt. Tatsächlich wurden die Autos langsamer aber mittlerweile verfügen die Rillenreifen über wesentlich mehr Haftung als die Slicks 1997 und auch die Aerodynamik generiert Jahr für Jahr mehr Abtrieb: "Ich denke, dass dieser Trend in Zukunft anhalten wird", glaubt Rampf nicht an ein baldiges Ende des Wettrüstens zwischen Michelin und Bridgestone.

Kurven sollen Spaß machen - nicht gefährlich sein

Doch gerade die Entwicklung im Reifensektor ist gefährlich, denn die Reifen machen ein Auto im Zusammenspiel mit der besseren Aerodynamik insbesondere in den Kurven schneller und die Kurvengeschwindigkeiten sind es, die den Verantwortlichen große Sorgen bereiten. Klar ist, es muss demnächst wieder einen Einschnitt in das Reglement geben, um dem unvermeidbaren Wettrüsten entgegenzuwirken.

Es mag vielleicht auf den ersten Blick nicht dramatisch klingen, wenn ein Auto statt mit 200 nun mit 220 Stundenkilometern durch eine Kurve fahren kann, wären da nicht die physikalischen Gesetze. Die Wucht, die hinter einem Einschlag beispielsweise in die Reifenstapel steckt, steigt nicht linear mit der Geschwindigkeit an sondern im Quadrat. Eine Verdoppelung der Geschwindigkeit führt also nicht zur doppelten Wucht beim Einschlag sondern vervierfacht die Kräfte, die beim Einschlag auf Chassis und Auto wirken.

Es gibt keine Lösung, die alle akzeptieren

Vorschläge für Reglementänderungen gibt es viele. Das einfachste Mittel, um die Formel-1-Boliden einzubremsen, wäre die Ausrüstung des Feldes durch nur einen Reifenhersteller. Kein Reifenhersteller würde dann Millionen für die Entwicklung ausgeben und aus Kostengründen härtere Reifenmischungen herstellen. Doch das Reifenmonopol hat einen entscheidenden Haken: Bridgestone und Michelin brauchen den Wettbewerb, damit die Reifen die entsprechende Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit genießen und sich dadurch der werbliche Effekt einstellt. Und wer will schon einen Geldgeber aus der Formel 1 vertreiben?

Schon in den nächsten Monaten müssten etwaige Reglementänderungen verabschiedet werden, damit sie für die Saison 2005 umgesetzt werden können. Dabei darf man sich auf hitzige Diskussionen einstellen, denn niemand möchte, dass die Formel-1-Autos zu stark beschnitten werden, denn man will das Image der "Königsklasse des Motorsports" aufrecht erhalten. Hinzu kommt, dass kein Team seinen Vorteil auf einem bestimmten Gebiet herschenken möchte und jeder große Einschnitt in das Reglement höhere Entwicklungskosten verursacht.

Trauriges Ermahn-Jubiläum

In diesem Jahr jähren sich die tragischen tödlichen Unfälle von Roland Ratzenberger und Ayrton Senna zum zehnten Mal, da wird das Thema Sicherheit zwangsläufig wieder zum Thema werden. "Wir beobachten die Geschwindigkeiten ganz genau, vor allem in den Kurven. Wenn sie zu hoch werden, dann müssen wir eingreifen", kündigt FIA-Präsident Max Mosley an. Der Formel 1 scheint ein Sommer mit hitzigen Diskussionen bevorzustehen.

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