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1 Million Simulationen für die richtige Rennstrategie

30. März 2004 - 10:48 Uhr

Renault-Chefingenieur Symonds erklärt, wie das Team Computer nutzt, um Simulationen auf dem Kurs von Bahrain durchzuführen

Jarno Trulli (Renault R24)
Die Computer können "echte Runden" auf der Rennstrecke nicht ersetzen
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - "Als Team genießen wir die Herausforderung, die uns eine neue Strecke bietet. Die Fahrer benötigen Übungskilometer, um nach den Nuancen Ausschau zu halten, die die Hundertstel einer Rundenzeit ausmachen können. Für die Ingenieure beginnt die Herausforderung jedoch viele Monate früher in Form von Simulationen. Während es heutzutage nur noch 40 Sekunden dauert, um am Computer eine Runde zu simulieren, dauert das Programmieren der ausgeklügelten Modelle wesentlich länger."

"Es ist logisch, dass man umso besser vorbereitet ist, je früher man mit der Simulation der Runden beginnen kann, was jedoch nicht immer einfach ist. Um eine Rundensimulation durchführen zu können, braucht man eine akkurate Streckenkarte, mit deren Hilfe man die die Fahrtlinie des Autos auf der Ideallinie mathematisch in drei Dimensionen beschreiben kann. Wenn die Streckeninformation erst einmal abgeschlossen ist, werden detaillierte Karten durch die FIA bereitgestellt, wonach die Arbeit aufgenommen werden kann."

"Die Abgrenzungen des Asphalts werden digitalisiert und im ersten Schritt in das Simulationsprogramm eingespeist, das mathematische Funktionen benutzt, um die Ideallinie herauszufinden - was ein Fahrer ganz intuitiv macht. Wenn die Ideallinie steht, wird ein Auto-Modell mit einem durchschnittlichen Setup eingeführt. Dann kann man eine Vielzahl von Flügel- und Getriebeeinstellungen ausprobieren, um ein Basissetup zu finden."

Lennart Schmid
"Wenn dies erledigt ist, können die Gewichtsverteilung und die Einstellungen der Aufhängungen verändert werden, um die virtuelle Rundenzeit zu minimieren. Anschließend kann das Team damit beginnen, sich die Anforderungen an die Reifen anzuschauen, die helfen, eine passende Mischung zu finden. Auch die Bremsenergie und bis zu einem gewissen Grad die notwendige Kühlung können berechnet werden."

"Das mag zwar ganz gut klingen aber es gibt doch ein paar Unbekannte, die zu Fehlern in der Simulation führen können, die oftmals nicht korrigiert werden können, bis man die Strecke gesehen hat und bis das Auto zum ersten Mal darauf gefahren ist. In der Simulation kann das Programm nur annehmen, dass der Fahrer den Asphalt bis an das Limit nutzen wird, in Wirklichkeit nutzen sie die Randsteine, wo sie nur können. Wenn sie relativ glatt und niedrig sind, dann werden sie die zuvor angenommene Ideallinie abkürzen."

"Viel problematischer ist jedoch die Variation des Griplevels. Auf den Strecken, auf denen wir 2003 gefahren sind, haben die Griplevel um 15 Prozent variiert und wenn man die ersten Trainings in Monaco ebenfalls berücksichtigt, dann wächst diese Zahl auf 24 Prozent an. Natürlich können wir nicht viel mehr machen, als den Grad der Haftung abzuschätzen, mit dem wir arbeiten, bis weitere Informationen verfügbar sind, da wir 5.000 Kilometer von der Strecke entfernt arbeiten. Für Bahrain wissen wir jedoch, dass der Griplevel ähnlich jenem in Silverstone sein wird, was nur ein Prozent unter dem Durchschnitt liegt."

John Howett "Aber um es deutlich zu machen, eine Abweichung von drei Prozent im Griplevel kann auf einer durchschnittlichen Strecke die Rundenzeit um rund eine Sekunde beeinflussen und um es noch schlimmer zu machen, diese Parameter variieren ständig, sogar am gleichen Tag... Um sich dagegen abzusichern, führt das Team viele Simulationen mit unterschiedlichen Gripleveln durch, um im Fall von Veränderungen einen großen Datenbestand zu haben, sodass das passende Auto-Setup so schnell wie möglich entschieden werden kann."

"Wenn man damit erst einmal fertig ist, beginnen wir weitere Simulationen für die Rennstrategie durchzuführen. Fakt ist, dass wir mehr als eine Million Rennszenarien mit den Computern des Teams durchgespielt haben, bis wir am Samstag eine Entscheidung in Sachen Rennstrategie treffen!"

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