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Darum weicht Renault von den 110 Grad ab

30. Mai 2003 - 14:56 Uhr

Renault-Motorenchef Dudot erklärt, warum er für 2004 keinen weitwinkligen, sondern einen konventionellen Motor bauen wird

Renault-Nase
Bernard Dudot glaubt, dass das 110-Grad-Konzept keine Zukunft hat
© Renault

(Motorsport-Total.com) - Vor drei Tagen gab Flavio Briatore bekannt, dass das Konzept des Weitwinkelmotors von Renault ab 2004 nicht weiter verfolgt werden wird. Das neu entstehende RS24-Triebwerk soll vielmehr den Konkurrenztriebwerken ähneln und wird dementsprechend über eine konventionelle 90-Grad-Architektur verfügen.

Renault hat in seiner aktiven Geschichte häufig neue Ideen in die Formel 1 gebracht, die anfänglich von der Konkurrenz mit Argwohn beäugt wurde. Doch auch wenn die Konzepte der Franzosen nie so exotisch waren wie die Boxermotoren von Subaru oder Tecno oder der Life-W12-Motor, so führten sie letztendlich immer zum Erfolg. Bestes Beispiel hierfür ist die – anfangs belächelte, dann kopierte – Einführung der Turbomotoren in den 70er-Jahren.

"Der Zylinderöffnungswinkel ist letztendlich eine Wahl des Chassisdesigners", erklärte His-Nachfolger Bernard Dudot in Bezug auf das 110-Grad-Konzept, von dem man 2004 abweichen will. "Diese Entscheidung hängt von der inneren und äußeren Aerodynamik, dem Verbund und der Steifheit des Chassis', von Motor und Getriebe und nicht zuletzt vom Schwerpunkt ab. Ehe die endgültige Entscheidung fällt, treffen sich Motoren- und Chassisdesigner, um die sekundären Auswirkungen davon zu besprechen."

Der Franzose erklärte auch, dass man einige Probleme des Weitwinkelmotors nicht in den Griff bekam: "Das Weitwinkelkonzept birgt ein paar Schwierigkeiten. Bei bestimmten Geschwindigkeiten beginnt die Kurbelwelle zu schwingen und verursacht Vibrationen, die nur schwer zu kontrollieren sind. Das ist auch der Grund, warum unsere Drehzahlen nicht so hoch wie die von der Konkurrenz sind. Wir haben außerdem nicht genügend Höchstleistung."

"Die Breite der Airbox, die vom Zylinderöffnungswinkel vorgegeben wird, hält den Luftstrom teilweise so stark zurück, dass wir bei mittleren und unteren Drehzahlen an Leistung verlieren", erklärte Dudot weiter. "Daher haben wir auch nicht genügend Drehmoment. Aber das Hauptproblem liegt woanders. Wenn man bedenkt, wie viele Motoren wir im Jahr bauen, so ist es ökonomisch einfach nicht mehr tragbar. Einige unserer Zulieferer hatten mit der Komplexität des Motors so große Probleme, dass viele ihrer Teile einfach Ausschuss waren. Wir haben nie das Gleichgewicht zwischen dem fertigen Produkt und der Weiterentwicklung gefunden."

Jean-Jacques His, der geistige Vater des Weitwinkelmotors, wollte am Konzept festhalten, doch er stand mit seiner Meinung ziemlich alleine da. Dennoch wird der RS23 bis zum Ende der Saison weiterentwickelt, "damit wir das ganze Potential, das im Chassis, im Motor und in den Fahrern steckt, auch umsetzen können. Ein Gruppe arbeitet bereits am RS24, eine weitere schon am RS25 für 2005. Die Philosophie hinter beiden Motoren ist gleich: Die Einfachheit des Designs soll die Qualität der Produktion und des Zusammenbaus verbessern."

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