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Jordan: "Frentzen teilte meine Zukunftsvisionen nicht"

09. Oktober 2001 - 17:22 Uhr

Teamchef Eddie Jordan gibt erste Hinweise, warum er Heinz-Harald Frentzen überraschend entlassen hat

Eddie Jordan
Jordan: "Manchmal schien es so, als wolle Frentzen das Auto nicht nur fahren"
© Imago

(Motorsport-Total.com) - Selbst für die Formel-1-Insider kam die Mitteilung im Juli völlig überraschend, als das Jordan-Honda-Team die sofortige Entlassung von Heinz-Harald Frentzen bekannt gab und damit gleichzeitig einen für die Saison 2002 abgeschlossenen Vertrag nicht erfüllen wird. Seitdem gaben sich beide Parteien angesichts des bevorstehenden Rechtsstreits um das Frentzen laut Vertrag zustehende Gehalt bedeckt.

Nun hat der irische Teamchef sein Schweigen zumindest teilweise gebrochen und nennt einen Grund, warum sich die Wege von Jordan und Frentzen nach dessen toller Vorstellung in der Saison 1999 trennen: "Heinz teilte meine Zukunftsvisionen nicht. Er ist ein lieber, lieber Kerl. Aber manchmal schien es so, als wolle er das Auto nicht nur fahren, sondern es auch designen. Das kann Probleme mit den Ingenieuren verursachen, was für das Team nicht gut war", wird der Ire von 'ITV' zitiert.

Frentzen - vielleicht technisch zu versiert
Heinz-Harald Frentzen ist bekannt dafür, sich sehr mit seinem Arbeitsgefährt auseinanderzusetzen - die einen empfinden das als sehr positiv, andere als wenig schmeichelhaft. Es ist kein Geheimnis, dass das Williams-Team im Cockpit-Bereich eine Idee von Heinz-Harald Frentzen umsetzte - für das Auto, das er nicht mehr fuhr, da er schon längst im Jordan-Mugen-Honda saß.

Doch genau wie die meisten Fahrer ziemlich von sich selbst überzeugt sind und sich für den besten Piloten halten, so haben auch viele Designer eine gewisse Art und Weise, von ihrer Arbeit überzeugt zu sein. Da ist es verständlich, dass Unruhe in das Team kommt, wenn ein Fahrer zu viel kritisiert. Das wäre ungefähr so, als würde ein Designer dem Fahrer erklären, wie er durch die 'Eau Rouge', eine der anspruchsvollsten Kurven in der Formel 1, zu fahren hat...

Frentzen krempelte bei Prost gleich das Setup um
Auch wenn Frentzen mit seinen Äußerungen dem Team sicherlich helfen wollte, so ist das Jordan nicht das einzige Team, das angesichts der oftmals Grenzen überschreitenden Hartnäckigkeit des Mönchengladbachers genervt war. Dennoch war man bei Prost-Acer zum Beispiel sehr angetan, als Frentzen den AP04 völlig anders abstimmen wollte als sein Vorgänger Jean Alesi, was auf Anhieb das Fahrverhalten des Autos verbesserte. Das beweist eindeutig, dass Frentzens technischer Weitblick verbunden mit seiner Hartnäckigkeit auch positive Dinge bewirken kann.

Wenn Frentzen davon spricht, ein Team aufbauen zu wollen, dann meint der Deutsche das so, wie er es sagt. Das gleiche wird er mit Prost probieren. Ob er bei den Blauen mehr Erfolg haben wird als bei Jordan darf bezweifelt werden, denn Teamchef Alain Prost gilt ebenfalls als Mann, der sich nicht dazwischenreden lässt und von seinen Vorstellungen sehr überzeugt ist, was einige bekannte Namen schon dazu gebracht hat, das Handtuch bei Prost zu werfen. Frentzen sitzt bei Prost in einem Pulverfass, das zu Explodieren droht, wenn Alain Prost und sein neuer Fahrer das gleiche Schicksal ereilt wie bei Jordan.

"Die Leute dachten, ich bin wahnsinnig, Frentzen zu entlassen"
Eddie Jordan unterdessen zeigt sich zuversichtlich: "Es besteht kein Zweifel daran, dass wir Jordan-Grand-Prix umstrukturieren müssen. Williams ist durch eine schlechte Zeit von zwei oder drei Jahren gegangen, hat sich reorganisiert und ist jetzt an der Spitze des Sports zurück. Wir müssen das gleiche tun und befinden uns genau in der Mitte dieses Prozesses. Die Leute dachten, dass ich wahnsinnig bin, Frentzen zu kündigen. Aber ich weiß, was ich tue. Ich habe in diesem Sport alles außer den WM-Titel gewonnen. Wir haben Rennen, Poles und schnellste Rennrunden gewonnen - der WM-Titel ist das einzige, was fehlt. Ich glaube, dass wir das schaffen."

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