NASCAR Sprint-Cup: Who is... Dale Jarrett? - US-Racing bei Motorsport-Total.com

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Datum: 31.08.2015 - 23:50 Uhr
Quelle: http://www.Motorsport-Total.com/usracing/news/2008/03/Who_is_Dale_Jarrett_08031201.html

Who is... Dale Jarrett?

von Stefan Hausmann
12. März 2008 - 00:05 Uhr

Dale Jarrett, der "Gentleman-Driver" der NASCAR tritt ab - 'Motorsport-Total.com' nimmt eines der letzten großen NASCAR-Originale unter die Lupe

Dale Jarrett
Dale Jarrett wird am Wochenende in Bristol sein letztes Punkterennen fahren
© NASCAR

(Motorsport-Total.com) - Die Neuigkeiten, die Dale Jarrett seinen Fans auf der Pressekonferenz am 12.10.2007 in Talladega mitteilte, waren schon lange keine richtig heißen News mehr: Noch sieben Rennen wollte er in der Saison 2008 unter die Räder seines Toyota nehmen, das Budweiser Shootout, die ersten fünf Cup-Rennen, und das All-Star-Rennen im Mai. Danach ist Schluss mit Racing - zumindest hinter dem Lenkrad. Am Wochenende in Bristol ist es soweit - Dale Jarrett bestreitet sein letztes Punkterennen in der NASCAR.

Jarrett war, anders als einige seiner jungen und heute erfolgreichen Cup-Kollegen, nie ein Mann des großen Wortes. Er gehörte zu den Fahrern des alten NASCAR-Schlages: Stets freundlich, unspektakulär auf und neben der Strecke, und doch ein Typ, den Jedermann an der Strecke mag. Dazu entstammt er einer Rennfahrerfamilie und schon Vater Ned Jarrett galt als "Gentleman-Driver."

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Doch anders, als den damaligen Moonshine-Racern lag den Jarretts das Benzin nicht im Blut. Die Familie folgte anderen Idealen: Ned fuhr die gesamte Familie im Alter von neun Jahren mit dem Auto des Vaters zur Kirche. Sein Vater, Homer Keith Jarrett, nahm Ned im Alter von zwölf Jahren zu Rennen in North Wilkesboro und Charlotte mit. "Es infizierte mich beim ersten Mal", sagte Ned Jarrett einmal.

Das Letzte, was Neds Vater allerdings wollte, war einen Stock Car-Fahrer in seiner Familie. Konsequenterweise untersagte er Ned Jarrett seine Ambitionen Rennfahrer zu werden. Mit dreizehn Jahren führte Ned Jarrett die Bücher der H.K. Jarrett and Sons Sägemühle in Hickory. Zahlen hatten es ihm eher angetan, als körperliche Arbeit. Aber Racing ließ ihn nicht los und er fuhr Rennen auf eigene Faust und unter fremdem Namen.

Als Ned Jarretts Vater davon erfuhr gab es eine intensive Vater-Sohn-Kommunikation. "Mein Vater war besorgt, dass das Image unserer Firma leiden würde. Fast alle anderen Fahrer waren "Bootlegger" (Whiskey-Schmuggler, Anm. d. Red.). Er brauchte mich einfach im Geschäft", so Ned Jarrett später.

Schon der Papa gewann zweimal den Titel

Dale Jarrett Travis Kvapil Michael Waltrip
Die NASCAR-Karriere von Dale Jarrett (v.) stand sehr lange Zeit auf der Kippe
© NASCAR

Das Übereinkommen lautete: Ned Jarrett durfte sich um Autos kümmern, aber nicht fahren. Diese Absprache hielt nicht lange - als Ned Jarretts Partner, John Lentz, krankheitsbedingt ausfiel, übernahm Jarrett das Auto und überzeugte mit seinem Renntalent, er gewann lokale Rennen. Und wieder gab es eine intensive Unterredung zwischen Ned und seinem Vater.

Wenn Ned Jarrett nun schon so verrückt nach Stock-Car-Rennen war, dann sollte er wenigstens den Namen Jarrett vertreten. Der Startschuss zu einer großen Karriere war gegeben, die Wurzeln für eine Rennfahrerdynastie waren gelegt. Ned Jarrett gewann zweimal (1961 und 1965) das Grand-National-Championship, heute bekannt als der Sprint Cup. 1967 beendete Ned Jarrett seine Karriere wegen eines Rückenleidens und wechselte auf die Kommentatorenseite des Fernsehens.

Dale Arnold Jarrett wurde am 26. November 1956 in Newton, einem kleinen Nest in North Carolina geboren. Die Leidenschaft seines Vaters brachte Dale Jarrett im Alter von 14 Jahren die ersten Verantwortungen ein, denen er nachzukommen hatte: Ned Jarrett war mittlerweile der Geschäftsführer des Hickory Speedways, eines kleinen 0,36 Meilen Ovales in der Heimatstadt der Familie.

Dale Jarrett musste kleineren Pflichten auf der Rennstrecke nachkommen. So war er etwa verantwortlich dafür, dass das Gras gemäht wurde. Da er bereits in jungen Jahren ein außergewöhnlich talentierter Golfspieler war, lieh er sich bei seinem Golfclub kurzerhand zwei Ziegen aus, die für ihn das Rasenmähen erledigen sollten. Der Versuch startete auf einem Parkplatz, auf dem alte Autos und Rennwracks gelagert wurden. "Sie wollten kein Grass fressen, auch wenn du es in ihr Maul gesteckt hättest", erinnert sich Dale Jarrett heute. "Alles, was sie gefressen haben, waren die Sitzpolster der Autowracks."

Nach Beendigung seiner Schulzeit wurde ihm 1974 ein besonderes sportliches Stipendium angeboten - aber nicht im Motorsport, sondern im Golf - Jarrett lehnte ab. Er wollte Rennfahrer werden, obwohl er vor der Nominierung ins US-amerikanische Amateur-Golfteam stand.

Andy Petree als Initiator

Dale Jarrett
Dale Jarrett war in der NASCAR mit Sicherheit kein Schnellstarter
© NASCAR

1975 dann traf Dale Jarrett einen jungen Mann aus Hickory, dem Racing im Blut lag: Andy Petree. Petree hatte bereits in jungen Jahren begonnen Rennautos zu bauen. Alleine ein Motor fehlte dem damals 17-Jährigen. Der 19-jährige Dale Jarrett kam gemeinsam mit seinem Vater Ned in Petrees Box. Dale Jarrett zeigte sich entschlossen: "Was muss ich tun, um euer Auto hier zu fahren", wollte Dale Jarrett von Petree wissen. "Wir haben das Auto für mich gebaut, ich möchte es auch fahren. Das Einzige, was uns fehlt ist ein Motor", so Petree.

Petree sagte später, dass er niemals gedacht hätte, dass es Dale Jarrett ernst gemeint hätte. "Er möchte doch nur einen kleinen, lustigen Versuch starten", so Petree damals. Aber die Jarretts kauften Andy Petree den Motor ab, und starteten auf dem Hickory Speedway eine Karriere. "Wir starteten unser erstes Rennen weit hinten, aber beendeten es auf Platz neun. Keiner kannte Dale, aber er hatte einen guten Namen. Und wie ich an diesem Abend sah, er hatte Talent."

Dale Jarrett und Andy Petree spannten zusammen für die nächsten Jahre. In den ersten drei Jahren gewannen sie keine Rennen. Knapp finanziert wurden Petree und Jarrett von ihren Vätern. Ned Jarrett wollte sehen, ob Dale wirklich den Durchbruch schaffen wollte.

"Die Erziehung dieser Jahre war vielleicht der wichtigste Aspekt unserer Karrieren. Wir haben eine Menge Geld investiert, zumindest war es damals eine Menge Geld für uns. Als ich dann die Schule abgeschlossen hatte, mussten wir das Auto verkaufen und ich habe mein Studium schuldenfrei beginnen können", so Andy Petree rückblickend. Petree ging seinen NASCAR-Weg weiter und gewann als Crewchief für Dale Earnhardt 1993 und 1994 dessen sechsten und siebten Winston-Cup-Titel.

Dale Jarretts Vorbilder Bobby Isaac, Richard Petty und natürlich sein Vater Ned, hatten sich schneller in der NASCAR etablieren können. Für ihn blieben die schnellen Erfolge aus. Dale Jarrett benötigte fünf Jahre, um sein erstes Rennen in der Busch-Serie gewinnen zu können. In 110 Cup-Starts zwischen 1984 und 1989 brachte es Dale Jarrett nur auf bescheidene Erfolge.

Erfolge erst mit Ford

Dale Jarrett Slugger Labb
Dale Jarrett mit Crewchief Slugger Labbe - bei Ford feierte er seine größten Erfolge
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Erst das Jahr 1990, welches er ohne festes Engagement begann brachte, Dale Jarrett auf die Erfolgsspur: Neil Bonnett, der 1994 bei einem Trainingsunfall in Daytona ums Leben kam, hatte sich verletzt und Dale bekam die Möglichkeit, den Ford der Wood Brothers mit der Startnummer 21 zu übernehmen - im heutzutage vergleichsweise hohen Alter von 34 Jahren.

Die Verpflichtung durch die Wood Brothers bezeichnet Dale noch heute als den Durchbruch für seine Cup-Karriere. 1991 gewann er dann sein erstes Cup-Rennen in Michigan für die Wood Brothers, das Eis war gebrochen. Trotz seines Sieges suchte Jarrett aber neue Herausforderungen: Im Jahr 1992 startete ein neues Team im Cup, das von Anfang an besondere Aufmerksamkeit erhielt: Joe Gibbs Racing.

Joe Gibbs hatte bereits als Teenager Dragsters gefahren und wollte sein ganzes Leben lang ein Cup-Team besitzen. Seine Kontakte in die National Football League durch die Washington Redskins waren wertvoll und Gibbs suchte den Rat zweier Leute zum Beginn seiner Karriere als Rennstallbesitzer: Rick Hendrick und Max Helton, dem Pfarrer der MRO - der Kirchenorganisation der NASCAR.

Helton brachte Gibbs mit Tom und Norm Miller zusammen, den Inhabern von Interstate Batteries. Max Helton wusste, dass die Millers Interstate Batteries in den Cup bringen wollten. Jarrett, Gibbs und Interstate Batteries kamen vor allem deshalb zusammen, weil allen Parteien ein Thema wichtig war: Der Glaube und der religiöse Hintergrund ihres Raceteams.

Nebenbei war Jimmy Makar, der Crewchief des neuen Teams, Jarretts Schwager. Makar kam zu Gibbs von Roger Penske, bei dem er starke Nerven brauchte: Rusty Wallaces ruppiger Umgang mit seinen Teamkollegen war legendär. Während eines Rennens in Richmond wetterte Wallace im Funk: "Ich werde Euch alle feuern." Als eine Konsequenz dieses Rennens brauchte Makar einen ruhigeren Fahrer, seinen Schwager Dale Jarrett.

Sieg in Daytona bringt den Durchbruch

Dale Jarrett
In Daytona feierte Dale Jarrett seinen ersten großen NASCAR-Triumph
© NASCAR

Jimmy Johnson, Hendricks vor zwei Wochen verstorbener Manager der Racing-Aktivitäten, vermittelte Joe Gibbs einen Vertrag mit Chevrolet. Wenige beachtenswerte Resultate im Rookie-Jahr 1992 kompensierte das junge Chevrolet-Team mit einem viel beachteten Triumph 1993: Dale gewann das Daytona 500 in einem Interstate-Batteries-Chevy mit der Startnummer 18.

Dale Jarrett, mittlerweile kurz DJ genannt, gewann das Daytona 500 mit Gibbs knapp gegen Dale Earnhardt. Earnhardt hatte zu Beginn der Saison 1993 einen neuen Crewchief bekommen. Sein Name: Andy Petree. Earnhardt hatte mehr als die Hälfte des Rennens geführt, aber er wurde in der letzten Runde von Jarrett überholt. Earnhardt hatte zu dieser Zeit in der NASCAR bereits alles und das mehrfach gewonnen - außer dem legendären Daytona 500.

Ned Jarrett kommentierte das Rennen aus der TV-Kommentatoren-Perspektive: "Es ist die Dale and Dale Show und ihr wisst für wen mein Herz schlägt - für Dale Jarrett. Bleibe unten Dale, gib ihm keinen Platz unten. Ja, er wird es gewinnen. Dale Jarrett gewinnt das Daytona 500!"

Dale Jarretts Rückkehr zu Ford wurde von der Verletzung eines Piloten begünstigt: 1995 kam Jarrett als Ersatz für den schwer verunglückten Ernie Irvan zu Robert Yates Racing. Seine besten Cup-Jahre erlebte Dale zweifelsfrei mit Yates. Er gewann mit dem schwarzen Texaco-Ford mit der Startnummer 28 sein erstes Rennen in den Poconos.

Aber Ernie Irvan, zu der Zeit einer der NASCAR-Younsgsters war gesund genug, um 1996 zurück zu RYR zu kommen. Irvan erkannte, dass ihm Jarrett in seiner verletzungsbedingten Abwesenheit den Rang abgelaufen hatte. Schnell wurde dem bereits 40-jährigen Dale Jarrett von Ford ein Sponsor zur Kreierung eines eigenen Teams gesucht - doch ein Deal mit Hooters Restaurants, wo leicht bekleidete Mädchen Essen servieren, kam nicht zustande: "Sponsorenbesuche in Hooters Restaurants ist nicht unbedingt das, was ich machen wollte", so Jarrett.

Rückkehr zu Ford und Robert Yates

Ricky Rudd
Das Yates-Team mit der Nummer 88 baute Dale Jarrett auf - hier Ricky Rudd
© Ford

Damit war Yates praktisch gezwungen eines der ersten Mehrwagenteams der NASCAR zu kreieren, was Yates selber aus heutiger Sicht als einen Schritt zum Niedergang seiner Vorstellung der NASCAR sehen würde. "In meiner Zeit wurden Verträge mit Handschlägen gemacht", so Yates Ende 2007. "Heute sitzen Dutzende von Rechtsanwälten an dicken Vertragswerken, das ist nicht mehr meine Welt. Die Organisationen werden immer größer."

Ford Motor Company selbst unterstützte das zweite Yates-Team mit der Startnummer 88 und den Sponsoren Quality Care und der Ford-Credit-Bank. Mit Quality Care kam die Ford Servicegesellschaft an Bord der 88, die ein Gegengewicht zu Dale Earnhardts Sponsor Goodwrench, der Servicegesellschaft Chevrolets darstellen sollte. Schließlich gab es zu dieser Zeit Anfang der 1990er Jahre nur Ford und General Motors, mit den Marken, Chevrolet und Pontiac im Cup.

Einige Zeit stand Jarrett neben Dale Earnhardt für die Verwirklichung des "American Dream", selbst sein Quality-Care-Ford von Robert Yates veranschaulichte das "Born in the USA" mit seiner blau, rot und weißen Lackierung.

In den Jahren danach gehörte Dale zu den Front-Runnern und Top-Stars der Serie. 1999 dann gewann Dale Jarrett den Winston Cup mit vier Siegen. Im letzten Cup-Rennen des Jahrtausends in Homestead fuhr DJ die "polish victory lap", die Ehrenrunde im Uhrzeigersinn. Er schwor seinem Crewchief ewige Freundschaft, seiner Crew und seinem Team die Treue.

Yates, Jarrett und der junge Crewchief Todd Parrott waren auf dem Höhepunkt ihrer sportlichen Karriere und Jarrett sollte nie mehr wieder so erfolgreich werden, wie 1999. "Die Meisterschaft ist die größte Sache, die ich jemals gewonnen habe. Es macht mich stolzer, als alles andere", so Jarrett. Zusätzlich ist die Jarrett-Familie bis heute neben den Pettys die einzige Racing-Familie, in der Vater und Sohn Cup-Titel gewinnen konnten.

UPS betritt die Bühne

Dale Jarrett
UPS ist seit vielen Jahren der persönliche NASCAR-Sponsor von Dale Jarrett
© NASCAR

Mit UPS löste 2001 ein neuer Sponsor Quality Care bei RYR ab. DJ gewann vier Cup-Läufe in diesem Jahr, erhöhte aber seine Popularität zusätzlich durch Fernsehwerbung für UPS und die "Race-the-truck-Kampagne. Nach wie vor wartet die Fangemeinde darauf, dass DJ einen braunen Truck mit UPS-Logos in der Truck Serie bewegen wird.

Viele Jahre war Dale Jarrett das Aushängeschild der Ford-Gemeinde, aus dieser Zeit stammt sein Beiname Mr. Ford, neben Mark Martin und Rusty Wallace war er der populärste Ford-Pilot der 1990er Jahre. Während Wallace seine Karriere in einem Dodge von Roger Penske bereits 2005 beendete, fährt Mark Martin heute in einem "Altersteilzeitvertrag" Chevrolets für Dale Earnhardt Inc. - Ford hat mit allen Dreien viel an Popularität verloren.

Mit dem Erfolg im Sport erhielt Dale Jarrett die Lizenzen für Ford und Suzuki-Autohäuser in den Carolinas, ein Zusatzbonus, der in den 1980er Jahren üblicherweise von den Autoherstellern für die Verdienste der Fahrer vergeben wurde. Naheliegend wäre zu glauben, dass DJ mit seinem Wechsel zu Toyota nun auch Toyotas verkaufen würde, dies ist aber nicht der Fall. Vor einigen Jahren hätte er eine Toyota-Vertretung in Alabama erwerben können, aber er verzichtete.

Neben den Autohäusern kümmerte sich Dale beruflich in den Jahren nach der High School intensiv um das Holzhandelsgeschäft seiner Familie. In Conover gibt es heute auch Dale's Diner zu besuchen, ein typisch amerikanischer Highway Imbiss mit der für fast alle US-amerikanischen Fast-Food-Restaurants identischen Speisekarte. Dale selber war in seinem Restaurant nur selten zu sehen, dafür sein Sohn Jason, das älteste seiner vier Kinder umso häufiger.

Jason startete selber 1992 eine Rennkarriere, kam aber mit dem familieneigenen Team DJ Racing nie über die Busch-Serie hinaus. Jason Jarrett kümmert sich heute um die Geschicke der Dale-Jarrett-Racing-Adventure, einer Möglichkeit für jeden Racefan, einmal in einem Cup-Fahrzeug auf einem NASCAR-Track richtig Gas zu geben.

Jarrett im ungeliebten Toyota

Michael Waltrip Dale Jarrett
Michael Waltrip und Dale Jarrett - seit Anfang 2007 ein Gespann
© NASCAR

Für die Saison 2007 wechselte Jarrett dann hinter das Steuer eines Toyota, ein Punkt, den ihm viele seiner traditionellen amerikanischen Fans nur schwer verzeihen können. "Ford hat Dale Jarrett erst alles ermöglicht. Wenn es nicht die Jungs aus Dearborn (Ford Head Office; Anm. d. Red.) und Robert Yates gäbe, dann würde Jarrett gerade mal für ein drittklassiges Team fahren, wenn überhaupt", so argumentierten viele seiner Fans.

Dale dagegen betonte immer wieder den Fakt, dass Toyota als einziger Hersteller im Cup seine Fahrzeuge in den USA und nicht in Mexiko oder Kanada baut. "Wenn ihr mir vorwerfen wollt, dass ich nicht patriotisch sei, wegen dieses Wechsels zu Toyota, dann kann ich nur sagen: Schaut einmal euren Fernseher an, ob der in den USA gebaut wurde. Ich bin so amerikanisch, wie jede andere Person in meiner Nachbarschaft, ich bezahle meine Steuern hier und liebe dieses Land", so Jarrett Anfang 2007.

Dazu kam, dass Dale in einer sportlich schwierigen Situation war. Robert Yates Racing hatte sich trotz der Sponsormillionen von UPS sportlich nicht entwickelt. Sein Vater Ned Jarrett: "Ich denke, dass Robert Yates in den letzten Jahren Boden verloren hat, wie unschwer zu erkennen ist. Dale braucht eine neue Herausforderung." Jarrett wurde auch klar, dass er mit seinen mittlerweile 50 Lebensjahren nur noch schwer gegen die Verjüngungskur in der NASCAR ankam.

Somit war diese schwierige Saison 2007 für Jarrett bereits der Einstieg in den Ausstieg. Er konnte Michael Waltrips Angebot letztlich nicht ausschlagen, zuviel sprach für einen Ausstieg aus seiner Marke Ford. Für Toyota war der Vertrag mit Jarrett ein Gewinn in vielfacher Hinsicht.

Mit DJ gewann die junge MWR-Organisation massenhaft Erfahrung, wie er in der Vergangenheit bewies. Joe Gibbs Racing und sein Robert-Yates-Team machte er aus dem Nichts zu Gewinnern auf der Cup-Bühne. Auf einen Schlag konnte auch den Südstaatlern bewiesen werden, dass ein Urgestein Toyota fährt.

Ein großer NASCAR-Pilot tritt ab

Dale Jarrett
Mit Dale Jarrett verläßt einer der letzten "Gentlemen-Driver" die NASCAR
© NASCAR

Dazu kam, dass Jarrett als Champion des Jahres 1999 sechs Provisionals, das heißt automatische Rennteilnahmen ohne erfolgreiche Qualifikation bekam, für ein Team ohne Ownerpunkte extrem wichtig. Danach, so der Plan, könnte sich DJ in den Top 35 festsetzen und die weiteren Rennen für MWR problemlos qualifiziert bestreiten. Michael Waltrip jedenfalls war begeistert, ein Kaliber wie Jarrett für das neue Team verpflichten zu können: "Er ist ein Champion, er hat dreimal das Daytona 500 gewonnen. Die Leute hören zu, wenn er spricht."

Jarrett selber wurde der noch vor wenigen Jahren undenkbare Wechsel mit ein paar Dollar versüßt. Nach zehn erfolgreichen Jahren bei Robert Yates Racing nahm Jarrett seinen Sponsor UPS gleich mit zu Toyota, ohne zu ahnen, dass ein ganz schwieriges Jahr auf ihn zukommen sollte. Michael Waltrip Racing startete in den Cup als bisheriges Busch-Team. Personal, Infrastruktur, Logistik, Race-Shop - alles musste in wenigen Wochen aus dem Boden gestampft werden.

Die Ergebnisse der letzten kompletten Saison gaben deshalb kein charakteristisches Abbild für Jarretts lange Karriere. Er verpasste ein Drittel der Rennen, da sich sein Toyota nicht qualifizieren ließ. Erstmalig beendete er eine komplette Saison ohne auch nur ein Ergebnis innerhalb der Top 10 erreicht zu haben.

668 Cup-Rennen bestritt Dale Jarrett seit 1984, 32 davon konnte er gewinnen. Zwischen 1993 und 2003 gewann er in jedem Jahr mindestens einen Cup-Lauf. "Diese Entscheidung, mein Rücktritt, brauchte eine Menge Überlegung, aber ich bin in erster Linie hier um zu gewinnen", so Jarrett bei seiner Pressekonferenz am 12.10.2007.

"So bin ich zu dem Entschluss gekommen aus dem Rennauto auszusteigen. Ich werde mein Leben als Fahrer vermissen, aber ich freue mich auf die nächste Phase meines Lebens und meiner Karriere." Was weiterhin offen lässt, ob Jarrett seine Karriere in der NASCAR oder in der Politik fortsetzt. Sicher hat er allerdings ab dem Frühjahr Zeit sein derzeitiges Golf Handicap von 17 zu verbessern.

Zusätzlich wird er sich weiterhin als TV-Kommentator im amerikanischen Fernsehen zeigen wenn er nicht einer seiner weiteren Lieblingsbeschäftigungen nachgeht: In Jeans und Turnschuhen zu Hause Basketball im Fernsehen zu verfolgen. David Reutimann wird nach dem fünften Cup-Lauf 2008 seinen UPS-Toyota mit der Startnummer 44 übernehmen.