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Sieger der Herzen: Rockenfellers Wochenende auf Krücken

Audi-Pilot Mike Rockenfeller hat die Zähne zusammengebissen und ist in Moskau mit gebrochenem Fuß angetreten - Für DTM-Boss Gerhard Berger ist das vorbildlich

(Motorsport-Total.com) - Jedes Mal, wenn Mike Rockenfeller in Moskau aus seinem Auto stieg und nach den Krücken griff, schwang eine Welle von Mitleid und Bewunderung gleichermaßen mit. Dem Audi-Piloten umgab am fünften Rennwochenende der DTM-Saison 2017 eine Mischung aus Heldentum und Menschlichkeit. Bei einem schweren Unfall auf dem Norisring hatte er sich einen Mittelfußknochen gebrochen. Nur drei Wochen später entschied er sich dazu, sich davon nicht einschränken zu lassen.

Mike Rockenfeller

Auf der Strecke ein echter Racer - Daneben auch nur ein Mensch Zoom

Das verschaffte ihn nicht nur bei den Fans Respekt. "Mir gefällt das, weil wir so etwas auch von den Motorrad-Fahrern kennen", sagt DTM-Boss Gerhard Berger gegenüber der 'ARD'. "Die brechen sich schnell mal eine Schulter und sitzen dann am nächsten Tag wieder auf ihrem Bike. So etwas braucht man im Motorsport. Und ich bin wirklich froh, dass wir einen gefunden haben, der so tickt."

Rockenfeller war in Nürnberg das Opfer eines unglücklichen Unfalls von Mercedes-Kollege Gary Paffett geworden. Der hatte die Kontrolle über sein Auto verloren und ist beinahe ungebremst in die Fahrertür von Rockenfeller gekracht. Bei 38g knallte der linke Fuß gegen das Kupplungspedal. Paffett kam mit Prellungen davon.

"Unfallopfer" scherzen schon wieder

"Gary und ich haben uns zufällig am Gepäckband getroffen", erzählt Rockenfeller, wie man nach dem Horrorcrash schon wieder zusammen lachen kann: "Da hat er geguckt und aus Spaß gesagt, ob er nochmal vorne drauftreten soll, damit ich nicht fahren kann und er einen Konkurrenten ausgeschaltet. Das war natürlich nur ein Spaß. Ich glaube, er freut sich auch, dass ich fahren kann."


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Fahren mit gebrochenem Fuß - wie geht das? "Ich habe mir einen Schuh machen lassen, der etwas größer als normal ist", erklärt Rockenfeller. "Er hat eine Kohlefasersohle und noch zusätzlich eine Kohlefaser-Einlage. Beides zusammen macht den Schuh unheimlich stabil."

Dennoch konnte der lädierte linke Fuß nicht der Belastung ausgesetzt werden, die es braucht, um ein Bremspedal zu bedienen. Der rechte musste also zwischen den Pedalen wechseln. Was für jeden Autofahrer normal erscheint, ist für den Rennfahrer eine enorme Umstellung. Doch Rockenfeller betont: "Das war für mich die einzige Option"

Keine Einschränkung im Rennen

Brenzlig wurde es noch einmal am Start, wo auch das Kupplungspedal zum Einsatz kommt. Aber Rockenfeller meisterte die Herausforderung mit Bravour. Am Samstag qualifizierte er sich als Dritter und wurde hinter Markenkollege Rene Rast Zweiter. Ein Ergebnis, das unter Verdacht steht, von Audi gelenkt worden zu sein. Denn Rockenfeller hatte eine beeindruckende Pace hingelegt. Rast steht in der Meisterschaftswertung aber höher.

"Es hat mich nicht so sehr eingeschränkt", berichtet der 33-Jährige von seiner ersten Erfahrung mit einer Verletzung im Cockpit. "Ich konnte am Ende genauso fahren wie zu beginn. Ich weiß nicht, ob es mit dem linken Fuß noch besser gewesen wäre. Aber ich konnte die Pace über das Rennen halten. Ich denke, das haben nicht viele so erwartet. Das ist natürlich auch für mein Team und meine Mechaniker gut. Ich muss mich auch bei den Ärzten und Physiotherapeuten bedanken, die mir geholfen haben, das zu erreichen."


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Der Sonntag verlief für Rockenfeller weniger glücklich: Nur Startplatz 14 und Rang zwölf im Rennen. Den kämpferischen Eindruck schmälert das nicht. "Dass er überhaupt gesagt hat: 'Okay, ich habe mir den Fuß gebrochen, aber ich wieder dabei. Schmerztabletten und los geht's. Die Umstellung mit rechts zu bremsen bekomme ich auch hin'", so Berger. "Und dann bringt er sich auch noch in eine Situation, in der in Schlagdistanz zum Rennsieg ist. Das war eine Super-Leistung."

Dabei erinnert sich der ehemalige Formel-1-Pilot an seine eigene aktive zeit: "Ich hatte auch schon ein paar Verletzungen - Brandwunden oder eine gebrochene Schulter - und saß im nächsten oder übernächsten Rennen wieder im Auto. Ich glaube, das ist eine Grundeinstellung, die man mitbringen muss."

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