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Audi "beschämend": Glock platzt der Kragen

11. September 2017 - 08:22 Uhr

Audi-Pilot Nico Müller würde am Nürburgring zum wiederholten Male zum Bremsklotz - Die Wut auf "manipulierte Rennen" steigt

Nico Müller
Nico Müller hat sich auf dem Nürburgring breit gemacht
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Moskau, Sonntagsrennen: Nico Müller kommt erst drei Runden vor Schluss zum Reifenwechsel und bremst das Feld so ein - Mattias Ekström profitiert mit Platz zwei. Zandvoort, Sonntagsrennen: Ekström gehen in der Schlussphase die Reifen kaputt, Müller stellt sich wie ein Bollwerk hinter ihm auf und verteidigt - der Schwede kann sich auf Platz vier retten. Nürburgring, Sonntagsrennen: Müller bleibt lange draußen, hält das Feld auf, lässt Timo Glock auffahren und schleppt sein Auto noch zwei weitere Runden um den Eifelkurs - Ekström gelingt noch Platz sechs.

Glock ist nicht der einzige, dem das Verhalten von Müller, insbesondere aber die "offensichtliche" Teamtaktik von Audi sauer aufstößt. "Da wurde ausgebremst und aus Kurven heraus nicht beschleunigt. Es war offensichtlich, was da versucht wurde", sagt Rennsieger und Mercedes-Pilot Robert Wickens. Der Zweitplatzierte Marco Wittmann wurde von Müller auf der Zielgeraden beinahe abgedrängt. Glock will derweil wissen, warum man den Schweizer bei Audi "opfert".

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Glock gegen Audi
"Sie haben den Druck, die Meisterschaft zu gewinnen", erklärt er nach dem Rennen. "Das ist ja ganz klar: Wenn man drei Jahre lang das beste Auto hat und es nicht schafft, die Meisterschaft zu gewinnen, weil man einfach zu viele Fehler macht, dann steigt der Druck. Das merkt man an solchen Strategien." Und er geht mit der Konkurrenz dafür hart ins Gericht:

"Wenn man bei Audi die Rennen so manipulieren möchte, dann ist das schon beschämend und sehr schade auch gegenüber dem Fan. Alle anderen machen es meiner Meinung nach sehr fair. Zwischen Mercedes und BMW arbeitet man noch vernünftig. Aber was man da bei Audi macht ... Da sieht man mal, wie sehr die Jungs da unter Druck stehen - wie stark auch Dieter Gass unter Druck steht, dass er solche Strategien rausgibt."

Dass Glock ausgerechnet Audi-Motorsportchef Gass gezielt anspricht, verleiht dem Disput eine gewisse Würze. Die beiden kennen sich aus gemeinsame Toyota-Zeiten in der Formel 1.

Gass selbst geht auf die Vorwürfe nicht ein. Er habe mehrere Fahrer lange draußen gelassen und sei dabei selbst Gefahr gelaufen, von einer Safety-Car-Phase benachteiligt gewesen. Dass Müller nach der Kollision nicht gleich an die Box kam, sei dem Funkverbot und einer gewissen Unübersichtlichkeit geschuldet. Und dass es überhaupt zu dem Unfall kam, beurteilt er so: "Nico Müller fuhr vorne und Timo Glock ist ihm auf einer zwölf Meter breiten Geraden hinten draufgefahren."

Eine Versöhnung ist nicht in Sicht: "Was bringt mir das, wenn ich mich mit ihnen ausspreche - sie machen es ja doch immer wieder", so Glock. "Dann kann man es auch einer Wand erzählen."

Glock gegen Müller
"Nico tut mir sehr, sehr leid dafür, dass er das über sich ergehen lässt", betont der BMW-Fahrer. Aber auch Müller weicht dem Vorwurf der gezielten Manipulation aus. "Ich bin lange draußen geblieben, meine Reifen gingen zu Ende und ich habe versucht, meine Position zu halten", beschreibt er sein Rennen. "Das ging eigentlich zwei, drei Runden gut. Beim Anbremsen in die Schikane habe ich innen zugemacht. Ich habe meine Linie gehalten und plötzlich hat es gescheppert. Ich weiß nicht, ob er sich vielleicht beim Bremspunkt verschätzt hat."

Er sei nicht gleich an die Box gefahren, weil er gehofft habe, die beschädigten Teile würden von selbst abfliegen und er könne wenigstens das Rennen zu Ende fahren. "Wenn ich ein Safety-Car hätte provozieren wollen, hätte ich das Auto irgendwo geparkt", so Müller. Dass man ihn oft lange draußen lässt, hält er "vom Grundgedanken her gar nicht so schlecht". Denn mit frischen Reifen hätte man in den "Frühstoppern" gegenüber in der Schlussphase einen Vorteil. Das ginge nur nicht auf, wenn man im ersten Stint zu viel Zeit verliere.

"Gewisse Dinge kann man schon machen", räumt auch Glock ein. "Aber irgendwann schlägt doch das Rennfahrerherz und du weißt: 'Das ist jetzt too much'. Ich glaube nicht, dass ich so extrem agieren würde. Er macht es ja so extrem in der Kurve, dass es immer im Kontakt endet. Das ist gezielt provoziert. Das ist entweder eine Instruktion, die man kriegt, oder man ist so drauf, weil man ohnehin nichts mehr zu verlieren hat. Er hat ja genug Trainingszeit gehabt, er hat es ja schon ein paarmal gemacht. Er macht es sehr clever."

Glock gegen den DMSB
Müller musste sein Auto in der 29. Runden abstellen. Glock fuhr als Achter über die Ziellinie. Die Rennkommissare grübelten noch lange über die Szene zwischen den beiden. Erst drei Stunden nach dem Rennen wurde bekanntgegeben, dass dem BMW-Fahrer eine Verwarnung wegen des Auffahrens ausgesprochen wird. Es ist seine zweite in der laufenden Saison. Bei einer dritte gäbe es eine Strafversetzung von fünf Plätzen in der Startaufstellung.

Mit dem Deutschen Motor Sport Bund steht Glock spätestens seit Zandvoort auf Kriegsfuß. Nachdem er dort für ein "Rachefoul" vom Qualifying disqualifiziert und für den Ausraster danach sanktioniert wurde, vermutete er bereits: "Die werden mich jetzt wahrscheinlich bei jedem Rennen auseinandernehmen."

Mit einer Verwarnung hatte er schon kurz nach dem Rennen gerechnet. "Wer auffährt hat Schuld", weiß auch der 35-jährige. Die Rennleitung kam zu dem Schluss, weil Müller dem Daten nach zwar tatsächlich früher als gewohnt gebremst habe, dass aber schon zuvor tat und es deswegen für Glock keine Überraschung hätte sein müssen. Auch Gass fragt sich, warum Glock nicht einfach vorbeigefahren ist.

"Ich hätte gerne nach rechts ausscheren wollen", erklärt Glock. "Aber die Vorderachse hat so sehr 'gebounct', dass das Auto nicht gut genug reagiert hat. In dem Moment hat er früher gebremst und ich konnte nicht ausweichen."

"Erst einmal stellt sich ja die Frage, wie es zu so einer Situation überhaupt kommt", gibt er außerdem zu bedenken. "Ich glaube, Audi hat Müller und Duval schon im Qualifying geopfert, um den einen oder anderen Fahrer ein bisschen aufzuhalten. Rein zufällig ist er auch wieder vor meinem Auto aufgetaucht. Er ist auch nur drei Runden gefahren. Dabei weiß man, dass der Reifen in der vierten Runde am besten ist. Und dann kennen wir das ganze Spiel ja schon aus Moskau und Zandvoort. Nico macht das auch sehr geschickt."

In der kommenden Woche zieht die DTM bereits weiter nach Spielberg - zum vorletzten Rennwochenende der Saison. Es könnte ein gutes Wochenende für BMW werden, da auf der österreichischen Strecke der Gewichtsvorteil höher zum Tragen kommen soll. Die Münchner treten 20 Kilogramm leichter als die Konkurrenz an. "Ich hoffe, dass es uns einen Vorteil bringt und die Gerechtigkeit siegt", lacht Glock.

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