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Kolumne: Wechsel an DTM-Spitze war überfällig!

21. März 2017 - 16:50 Uhr

'Motorsport-Total.com'-Redakteur Roman Wittemeier über den Machtwechsel in der DTM: Warum die Hersteller jubeln und die Szene eine neue Chance verdient hat

Gridgirls DTM
Selbst die DTM-Gridgirls sprühten zuletzt nicht immer vor Begeisterung
© Oliver Kremer (Pixolli)

(Motorsport-Total.com) - Liebe Freunde des Vierliter-V8-Sounds,

jetzt ist das, was wir bei 'Motorsport-Total.com' bereits vor Weihnachten 2016 angekündigt hatten, endlich in die Tat umgesetzt worden. Gerhard Berger löst den DTM-Gründer Hans Werner Aufrecht an der Spitze des Dachverbandes ITR e.V. ab und ist somit nun der neue Boss des Deutsche Tourenwagen Masters. Dass sich Berger nach zähen Verhandlungen und reiflicher Überlegung zu diesem Schritt entschieden hat, freut mich ungemein.

Es ist nicht so, dass ich Gerhard Berger als den großen Heilbringer der seit Jahren eher faden DTM sehe. Vielmehr bin ich der festen Überzeugung, dass die Serie dem sicheren Untergang entgegengesteuert wäre, wenn es nicht den längst überfälligen Wechsel an der Spitze gegeben hätte. Es war nicht fünf vor zwölf, sondern nur noch Sekunden entfernt vom finalen Glockenschlag in der DTM. In den zurückliegenden Jahren war die Szene dem Tod mehrfach im letzten Moment von der Schippe gesprungen. So hätte es nicht weitergehen können!

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Das bisherige Dreigestirn im Vorstand der ITR mit Boss Hans Werner Aufrecht, Marektingmann Walter Mertes und Audi-Teamchef Hans-Jürgen Abt war mit dem Latein schon lange am Ende. Vor allem Aufrecht konnte keine neuen Akzente mehr setzen. Der 78-Jährige flüchtete sich in den vergangenen Jahren immer mehr in Durchhalteparolen. "Wir kennen unsere Stärken", "Wir haben großartige neue Ideen in der Schublade" - wie leid ich diese Sätze doch bin. Denn es ist nie wirklich etwas passiert!

Gescheiterte Internationalisierung: Einfach peinlich!

Die bislang sehr konsequent gescheiterte Internationalisierung der DTM hat Aufrecht letztlich das Genick gebrochen. BMW war nur unter der Vorgabe in die Szene zurückgekehrt, dass man eine enge Bindung zur japanischen Super-GT und der amerikanischen IMSA findet. Die Japaner fahren bereits jetzt auf Grundlage des Class-One-Regelwerkes. Die DTM noch längst nicht, obwohl man sich 2014 darauf verständigt hatte. Das für 2017 geplante gemeinsame Rennen in Japan ist auch vom Tisch. Und die Amerikaner? Da muss ich kurz eine kleine Geschichte erzählen.

2013 hatte man lauthals verkündet, dass eine "US-DTM" kommen werde - doch daraus wurde nichts. 2015 erklärte Aufrecht, dass die DTM ab 2018 in den USA fahren werde - das glaube ich nicht. Warum nicht? Weil sich die Amis nicht die Bohne für die DTM interessieren! Nur rund eine Woche nach einem Besuch einer DTM-Delegation in den USA traf ich den IMSA-Präsidenten Scott Atherton. Als ich ihn nach den Gesprächen mit Hans Werner Aufrecht und Co. fragte, kam als Antwort: "Hans Werner ... wer? Ach, die Deutschen..." - und dazu ein belustigtes Kopfschütteln des Amerikaners. Das sagt wohl alles.

Gerhard Berger abseits des Cockpits

Gerhard Berger ist der neue Chef der DTM: Der Österreicher hatte schon oft Aufgaben abseits der Renncockpits


20.03.2017
Foto 1 von 11
Gerhard Berger spielte schon immer neben seiner Rolle als Rennfahrer auch auf politischen Ebenen mit.
Gerhard Berger spielte schon immer neben seiner Rolle als Rennfahrer auch auf politischen Ebenen mit.

Dass die DTM auf der anderen Seite des "großen Teichs" kaum Chancen hat, wird nicht zuletzt an der von IMSA-Boss Scott Atherton formulierten Vision 2020 deutlich. Darin ist an vielen Stellen von einer Intensivierung der Zusammenarbeit mit dem Le-Mans-Veranstalter ACO zu lesen, der Name DTM erscheint dort nicht ein einziges Mal. Klartext: Nur wenn die DTM vom Class-One-Konzept weggeht und künftig auf GTE/GTLM-Autos oder GT3-Fahrzeuge setzt, kann es überhaupt eine Kompatibilität geben.

"Großartige Nachrichten für die DTM, eine gute Wahl", meldete BMW-Pilot Timo Glock direkt nach der Verkündung des Wechsels an der ITR-Spitze auf seinem offiziellen Twitter-Account. Ob Berger tatsächlich die hohen Erwartungen erfüllen kann, bleibt abzuwarten. Aber er hat zumindest eine faire Chance verdient, ebenso die DTM als Ganzes. Unbestritten ist, dass die Serie in Deutschland immer noch hohes Potenzial besitzt. Dies gilt es nun auszuschöpfen.

DTM interessiert mehr als die boomende MotoGP!

All denen, die behaupten, die DTM sei gar nicht mehr zu retten, seien mal Zahlen an die Hand gegeben. In einer repräsentativen Nielsen-Erhebung wurden 500 Deutsche im Alter zwischen 16 und 69 Jahren nach ihrem Interesse an verschiedenen Motorsportserien gefragt. Das Ergebnis: 15 Prozent der Befragten gaben an, sie seien an der DTM "interessiert", oder sogar "sehr interessiert". Besser schnitten nur die Formel 1 und die WEC mit dem Highlight Le Mans ab. Die derzeit boomende MotoGP kam nur auf elf Prozent!

Klar ist also, dass die DTM in Deutschland eine Chance verdient hat, weil das Potenzial vorhanden ist. Dies gilt allerdings nur für den Kernmarkt, denn abseits des deutschsprachigen Marktes spielt die Serie (bisher) kaum eine Rolle. "Wichtig ist mir vor allem der Ausbau unserer internationalen Partnerschaften auch mit neuen Herstellern", sagt Gerhard Berger kurz nach seiner Wahl zum 1. Vorsitzenden des ITR e.V. Der Österreicher will also einen neuen Anlauf bei der Internationalisierung wagen. Viel Spaß!

Ob Berger selbst die Ausweitung der Serie nach Übersee als Heilmittel für die kränkelnde DTM sieht, bezweifle ich. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Marschroute auf Druck der Hersteller eingeschlagen wird. Sicher bin ich aber, dass der neue DTM-Boss in Reihen der Werke viel mehr Zugang und Gehör finden wird als es zuletzt bei Hans Werner Aufrecht der Fall war. Und genau das ist gut für alle. Nur mit offener Kommunikation können die Ziele auf gemeinsamen Wegen erreicht werden. Und die DTM hat noch eine gewaltige Etappe vor sich, bis der Glanz und die Akzeptanz wieder hergestellt sind.

Alles Gute für die schwierige Aufgaben, die vor Ihnen liegen, Herr Berger!

Roman Wittemeier

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