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Kolumne: Besser geht immer

28. Dezember 2012 - 12:24 Uhr

Fünf Wünsche für 2013: 'Motorsport-Total.com'-Redakteur Dominik Sharaf über AVUS-Sehnsüchte und ein Märchen, das unbedingt geschrieben werden muss

Roberto Merhi, Andy Priaulx, Susie Wolff
2012 rückte das Feld so eng zusammen wie selten zuvor: Bitte mehr davon!
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Liebe Leserinnen und Leser,

die DTM ist in eine neue Ära gestartet. Und dazu kann man ihr gratulieren. Sicher gibt es Skeptiker, die von einer großen PR-Maschine sprechen und sich über das Premium-Gehabe der Hersteller echauffieren. An diesen Argumenten ist etwas Wahres dran. Es wäre fahrlässig, sie zu überhören und sich im Erfolg zu suhlen. Fakt ist aber auch: Die ITR und die Marken schaffen eine der letzten Rennserien auf der Welt, die ausschließlich mit bezahlten Piloten aufwartet. Dafür gilt es, Opfer zu bringen.

In Zeiten, in denen jedes Formel-Cockpit ein Fall für den Kredithai ist, braucht der Motorsport solche Serien. Das allerdings bringt ein starkes Engagement von Konzernen mit sich, die wiederum nicht gerade den Charme eines Lord Hesketh versprühen. Und trotzdem: Was wieder gut ist, kann noch besser werden. Nachdem das Christkind und der Weihnachtsmann ihre Pflicht-Boxenstopps absolviert haben, bleiben für 2013 bei mir in Sachen DTM noch fünf Wünsche offen.

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin

Die DTM und Berlin. Da klingelt es - klar, die AVUS. Läuft es Ihnen als Motorsport-Fan nicht kalt über den Rücken, wenn Sie auf der Autobahn 115 in die Bundeshauptstadt fahren? Selbst, wenn ich mit meinen bescheidenen 120 Pferdestärken im Schritttempo des Dauerstaus zwischen den alten Leitplanken und der Tribünen-Ruine durchschleiche, kribbelt es. Plötzlich tuckert vor mir ein Alfa Romeo 155 im Martini-Design oder eine quittegelbe Pro-Markt-C-Klasse.

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Wäre es nicht herrlich, wieder einen Mythos wie die AVUS zu schaffen? Und dem DTM-Kalender ganz nebenbei eine neue Klangfarbe mit einem Flugplatzrennen der alten Schule zu geben? Tempelhof besitzt dazu mehr als genug Potenzial. Die Kulisse versprüht Charme, die Location ist zentral genug gelegen, um auch Zuschauer anzulocken, die es bisher nicht in Erwägung gezogen hatten, ein DTM-Rennen zu besuchen. Also: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?

Ganz einfach: Weil die Stadt Berlin nicht mitspielt. Ein Flughafen-Fiasko ist offensichtlich genug für die Bundeshauptstadt. Das ist meiner Meinung nach zu kurz gedacht. Sportlich würde der Stadt, die die Leichtathletik-WM hinter sich hat und zunächst wieder ohne einen Klub in der Fußball-Bundesliga auskommen muss, eine neue Attraktion gut tun. "Arm aber sexy" hat Bürgermeister Klaus Wowereit sein Berlin oft genannt. Ein Rennen in Tempelhof würde die Milliardenlöcher nicht stopfen, aber sexy wäre es allemal. Und: Man muss doch nichts bauen, Klaus!

TV-Übertragungen: Emotionen, bitte!

Es gab fünf verschiedene Sieger in zehn Rennen, im Gesamtklassement war jede Marke mit mindestens einem Fahrer unter den Top 4 vertreten - so sieht spannender, ausgeglichener Motorsport aus. Allerdings nicht immer, wenn man den Fernseher einschaltete. Die Übertragungen im 'Ersten' inszenierten die Rennen nicht gerade oscarreif, wozu auch Philipp Sohmer und Manuel Reuter am Mikrofon beitrugen. Die Emotionen blieben im Übertragungswagen hängen.

Paradebeispiel Lausitzring: Wo bei Bruno Spenglers Hatz auf den ersten DTM-Erfolg nach dem BMW-Comeback Potenzial ohne Ende war, blieb die Stimmlage auf Normalnull. Die Probleme der Übertragungen nur an den Kommentatoren festzumachen, wäre aber zu simpel. Das 'Erste' schadet sich selbst, wenn Moderator Claus Lufen wegen einer nachfolgenden Sendung gezwungen wird, den brav zum Pole-Position-Interview antrabenden Augusto Farfus wegzuschicken. Peinlich.

Den technisch guten und fachlich vernünftig aufgezogenen Sendungen fehlt aber nicht nur ausreichend Nachlauf, sondern auch bei den wenig persönlichen oder kritischen Interviews sowie den Vorberichten die Würze. Dabei wäre ein echter Könner gar nicht weit entfernt. Für das DTM-Fanradio kommentiert Stefan "The Voice" Heinrich jedes Rennwochenende das Geschehen. Wenn es hier keine Inspiration für emotionale Live-Berichterstattung gibt, wo dann?

Der Samstag braucht ein konsequentes Format

Mit dem Knockout-Qualifying scheint im Motorsport ein neuer Königsweg zur Ermittlung der Startplätze gefunden. Die DTM allerdings geht mit der Kombination mit einem Einzelzeitfahren einen Sonderweg - und zwar keinen besonders glücklichen, wie ich finde. Schließlich hat sich oft gezeigt, dass am Ende nicht der schnellste Pilot vorne stand, sondern der, der zuvor mit seinen Reifen gut gehaushaltet hatte. Klar, auch das ist eine Qualität, aber eben keine für das Qualifying.

Am Samstag soll der Pilot vorne stehen, der auf einer Runde der schnellste ist. Ich würde mir ein konsequenteres Format wünschen. Eine reine Knockout-Entscheidung nach dem Beispiel der Formel 1 ist eine Möglichkeit, aber warum nicht einen revolutionären Schritt wagen? Ein reines Einzelzeitfahren kann Spannung ohne Ende bieten, wenn man es richtig aufzieht. Jetzt, wo die Konkurrenz so dicht beisammen ist, würde dieses Format erlauben, Fehler einzelner Piloten aufzuzeigen und so den fahrerischen Unterschied hervorzuheben.

Option-Reifen: Der Mut zu versagen

Wie bereits bekannt, arbeitet Zulieferer Hankook seit geraumer Zeit an einem so genannten Option-Reifen, also einer zusätzlichen, weicheren Mischung für das Rennwochenende. Welche Bestimmungen das Reglement dazu vorsehen wird, ist offen. In Aussicht stehen jedoch taktische Szenarien, die die DTM nur beleben können. Schließlich waren Pneus bisher immer extrem lang haltbar und Überholmanöver durch unterschiedliche Abnutzung seltener als in anderen Rennserien zu beobachten.

Sollten sich die ITR-Verantwortlichen dafür entscheiden, ein Modell ähnlich dem in der Formel 1 einzuführen, hätte das interessante Aspekte: Den Fahrern würde eine neue Qualität abverlangt, es gäbe mehr unterschiedliche Strategien und zusätzliche Chancen, ein verpatztes Qualifying zu retten. Hankook muss mutig sein: Nur wenn es ein per se als PR-Desaster verschrienes Produkt gibt, das über die Maßen schnell abbaut und so Fahrfehler provoziert, macht der Option-Reifen wirklich Sinn.

Schreibt das Zanardi-Märchen!

Die Weihnachtszeit ist gefühlt noch nicht vorbei. Und wann darf man schon träumen, wenn nicht an den besinnlichsten Tagen des Jahres? Denn Alex Zanardis DTM-Test hat einfach Lust auf mehr gemacht. Es wäre ein Festtagsmärchen. Wer diesen Mann aus den Medien kennt, weiß, wie inspirierend er wirkt. Wer ihn persönlich erlebt hat, der muss sich korrigieren: Die enorm positive Ausstrahlung des Italieners und seine charmant-schlitzohrige Art sind über ein Fernsehbild nicht zu vermitteln.

Ich bin kein Mensch, der sich schnell beeindrucken lässt. Zanardi - der Mann, der zu seiner IndyCar-Zeit regelmäßig für verspätete Schulbesuche am Montagmorgen sorgte - bildet da eine der wenigen Ausnahmen. Mit ihm würde jede Kritik im Stile eines Harald Dietz ("Der DTM fehlen echte Typen") lächerlich wirken. Natürlich gibt es viele Hürden auf dem Weg zu einem Comeback: Aber, lieber Herr Marquardt, wer stünde für den Slogan "Freude am Fahren" besser Pate als Zanardi?

Darauf, dass 2013 für Sie persönlich und für die DTM noch ein Stück besser wird,

Dominik Sharaf

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