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Die neue DTM und ein Quantum Vorbild für die Formel 1

04. Mai 2012 - 18:30 Uhr

Edi Nikolics Gedanken zum Saisonstart der neuen DTM oder: Wie der deutsche Weg sogar die Königsklasse inspirieren könnte...

Edi Nikolic
Motorsport-Manager Edi Nikolic stellt der DTM ein hervorragendes Zeugnis aus
© Edi Nikolic

(Motorsport-Total.com) - Liebe Leser und Freunde von Motorsport-Total.com,

als unerschütterlicher Motorsport-Fan, der das Glück hatte, seine Leidenschaft auch irgendwann einmal zum Beruf werden zu lassen, habe ich gerade den Stapellauf einer neuen DTM mitsamt ihrer Rahmenrennen erlebt, der mich für unser Business wieder zuversichtlich stimmt und auch so manche Sorgenfalte der letzten Jahre vertrieben hat.

Es war ein Festival des Motorsports, das Akteuren, Fans und Sponsoren eine Perspektive gibt, weil hier, allen Krisen zum Trotz, wieder rekordverdächtige Massen mobilisiert wurden. 142.000 Zuschauer an drei Tagen und eine Publikumsnähe, von der Formel-1-Fans nur träumen können, sind die beste Werbung und ein ehrliches Kompliment an ITR-Chef Hans-Werner Aufrecht und sein Team.

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Und wenn wir schon dabei sind, Einser zu verteilen, dann muss man selbstverständlich auch vor den deutschen Herstellern die Kappe ziehen, deren motorsportlicher Auftritt dieser eindrucksvollen Eventplattform letztendlich zum Leben verhalf.

Lob für VW und Porsche

Beginnen wir mit dem jugendlich-frischen Volkswagen-Scirocco-Cup, in dem sich diesmal Marc Surer und Mika Salo mit respektlosen Teenagern duellierten, und das mit formschönen erdgasgetriebenen Autos, die samt Push-to-Pass-System satte 250 PS leisten. Kaum zu glauben, dass eine Rennsaison mit diesem ausgewachsenen Rennwagen sogar preiswerter ist als ein halbwegs international ausgerichtetes Engagement im Kartsport.

Während sich die Wolfsburger in der ebenfalls im Rahmenprogramm der DTM ausgetragenen Formel-3-Euroserie wieder verstärkt mit Mercedes duellieren, bleibt die Porsche nach wie vor seinem erfolgreichen Markenpokal treu. Der Carrera-Cup, als deutsches Pendant zum Porsche-Supercup, zeigt sich einmal mehr von seiner stärksten Seite - mit packenden Zweikämpfen und einem extrem hohen fahrerischen Niveau.

Norbert Siedler
Der Porsche-Carrera-Cup bewegt sich derzeit auf sehr hohem Niveau
© Porsche

Nicht umsonst gilt in Hinblick auf das mit Spannung erwartete LMP1-Projekt der Stuttgarter Edelmarke ein entsprechendes Zeugnis in den Cups als beste Eintrittskarte. Eine neue Qualität und Wertschätzung erfährt der Carrera-Cup übrigens im Fernsehen. Immerhin war sogar Rallye-Ikone Walter Röhrl vor Ort, um den schnellsten 911er-Piloten als Protagonist einer neuen Carrera-Cup-Reportage auf N24 ein tolles Zeugnis auszustellen.

Gesprächsthema Nummer eins im Motodrom war aber - wie konnte es anders sein - das große Comeback von BMW in der DTM. Und, um es gleich vorweg zu nehmen: Es hat nicht zu viel versprochen, auch wenn die starken Qualifying-Leistungen noch nicht ganz in einen Rennerfolg umgemünzt werden konnten. Ein Hellseher muss man jedenfalls nicht sein, um den Weiß-Blauen schon in dieser Saison den einen oder anderen Sieg zuzutrauen. Und weil Fan-Nähe auch in München groß geschrieben wird, gewährten sie fast jeden Einblick hinter ihre Kulissen und sammelten damit zusätzliche wertvolle Sympathiepunkte.

DTM weiterhin eine bodenständige Serie

Ein freundschaftlich lockerer Boxentratsch mit Abt-Rennleiter Albert Deuring und ein in der Menge badender Norbert Haug lieferten mir allerdings noch weitere Beweise, dass die DTM eben anders tickt und ihre Bodenhaftung nicht verloren hat. Auch wenn die Hospitality-Burgen schon wieder neue, fast furchterregende Dimensionen erreicht haben.

In der Summe aller Dinge geben die Vermarkter der weltweit stärksten Tourenwagen-Serie also einen Weg vor, der bei aller gebotenen Hochachtung sogar die Formel 1 inspirieren könnte.

Keine Angst, wir lassen die Kirche hier schon im Dorf und respektieren natürlich, dass wir es in dem einen Fall mit einem globalen Business, und zwar dem vermutlich größten des Sports, zu tun haben. Was wir im Falle der DTM allerdings viel deutlicher erkennen, ist die Kraft und die Vision der deutschen Autoindustrie, die 2011 mit 4,5 Millionen exportierten Autos und zehnprozentigen Zuwachsraten im Inlandsabsatz wieder klare Maßstäbe setzte. Und zwar insbesondere auch durch erfolgreiches Krisenmanagement.

Dieser deutsche Weg scheint gerade im Motorsport ganz besonders gut zu funktionieren, weil er sich auf das Wesentliche konzentriert: auf einen hohen sportlichen wie technischen Anspruch, auf eine ehrlich gelebte Nähe zu den Fans, sowie, last but not least, auch auf eine entsprechende Kostenrealität. Drei Zutaten, die auch die Königsklasse nicht vernachlässigen darf, wenn Sie weiterhin den Geschmack der Fans und Sponsoren treffen will.

Meine Fragen an die Formel 1

Als tief verwurzelter Formel-1-Fan, der nach wie vor größte Hochachtung vor dem Lebenswerk des Bernie Ecclestone empfindet, seien mir in Zusammenhang mit meinen jüngsten Eindrücken in Hockenheim zumindest folgende Fragen gestattet:

Wen würde es stören, wenn auch die Formel 1 ihre ausufernden Kosten durch ein gewisses Quantum an Einheitsteilen reduzieren würde? Immerhin habe ich noch ein halbes Starterfeld mit Cosworth-Motoren fahren sehen, und auch das war Formel 1. Und hätte jemand etwas dagegen, wenn sich ein Team im Gegenzug dafür wieder seinen Wunschfahrer und der kleine Fan in Europa wieder den Besuch eines Grand-Prix-Wochenendes leisten könnte? Immerhin kommen die treuesten Fans und die schnellsten Fahrer nach wie vor aus den Mutterländern des Motorsports.

Die Erhaltung einer stabilen europäischen Fankultur und der konsequente Aufbau neuer Wachstumsmärkte a la Indien, China und Russland müssen übrigens nicht in einem Widerspruch stehen. Auch die neue DTM hält an ihrer deutschen Basis fest, um gleichzeitig ihr Konzept auf internationaler Basis voranzutreiben. An der Notwendigkeit dieser Ausrichtung gibt es nichts zu kritisieren.

Eine Antwort auf die oben gestellten Fragen können aber ohnehin nicht allein die Macher der Formel 1 liefern. Es gehören sicherlich auch ihre "Player", sprich ihre Teams, dazu, die gemeinsam an einem Strang ziehen müssen, um, nach dem Vorbild der DTM, wieder das Wesentliche in den Mittelpunkt zu stellen.

Denn sobald die Rahmenbedingungen stimmen, werden weitere deutsche Hersteller ihre Meinung ändern und dem Mercedes-Stern folgen.

Mit motorsportlichen Grüßen,
Edi Nikolic


*Zum Porträt: Wer ist Edi Nikolic?

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