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HISTORY
 
Erfolg und Tragik in der Lausitz
 
von Britta Weddige 16. Mai 2007 - 13:41 Uhr
 
Der EuroSpeedway Lausitz ist erst sieben Jahre alt, hat aber schon eine teils erfolgreiche, teils tragische Geschichte hinter sich
 
Start EuroSpeedway Lausitz 2006
EuroSpeedway Lausitz: der Start des DTM-Rennens 2006
Zoom © xpb.cc
(Motorsport-Total.com) - Pläne, im Brandenburger Braunkohlegebiet südlich von Berlin eine Rennstrecke zu bauen, gab es schon in den 1980er Jahren zu Zeiten der damaligen DDR. Es sollten aber nach der Wende noch ein paar Jahre vergehen, bis der Bau konkrete Formen annahm. 1998 rollten die Bagger an zwischen Schipkau-Klettwitz und Senftenberg, 130 Kilometer südlich von Berlin, direkt an der A13.

Zunächst regte sich aber Widerstand, ein Einspruch gegen den Bau wurde eingelegt. Als der abgelehnt wurde, konnte es losgehen und am 20. August 2000 war es soweit: Der EuroSpeedway Lausitz wurde eröffnet. Im ehemaligen Braunkohlegebiet war ein auf dem europäischen Kontinent einmaliger Kurs entstanden. Die Baukosten lagen bei 158 Millionen Euro, der Großteil des Geldes stammte aus öffentlichen Subventionen.

 

 
Einmalige Streckenvarianten

Die Rennstrecke besteht aus einen 3,2 Kilometer langen Hochgeschwindigskeits-Trioval mit überhöhten Kurven sowie einer weiteren, 4,5 Kilometer langen "normalen" Rennstrecke im Infield. Diese wiederum hat verschiedene Konfigurationen für Autos und Motorräder. Dazu kommt eine Teststrecke mit zwei Steilkurven. Sie kann mit den anderen Kursen verbunden werden, so dass ein 11 Kilometer langer Langstreckenkurs entsteht. Über allem thront die riesige Haupttribüne, die für einen speziellen Stadioncharakter sorgt.

Die ersten Veranstaltungen auf dem Lausitzring fanden bereits im Eröffnungsjahr 2000 statt. Auch die DTM gastierte in diesem Jahr erstmals dort und lockte 64.000 Zuschauer an. Mercedes-Pilot Bernd Schneider holte die Pole Position, das Rennwochenende fand jedoch ein nasses Ende. Es regnete in Strömen und da das Wasser nicht ablief und in großen Pfützen auf der Strecke stand, mussten beide Rennen abgesagt werden.

 
2001: Das schwärzeste Jahr

Das Jahr 2001 hatte für den Lausitzring gute und sehr traurige Seiten. Die Rockband AC/DC gab dort eines ihrer inzwischen seltenen Konzerte, unter anderem die DTM und die Superbike-Weltmeisterschaft gastierten in der Lausitz. Aber das Jahr war überschattet von schweren Unfällen: Bei Testfahrten starb der Audi-Werkspilot Michele Alboreto, bei einem anderen Testunfall kam ein Sportwart der Streckensicherung ums Leben.

Am 15. September 2001 stand der eigentliche Saisonhöhepunkt an - das "German 500". Das Trioval lockte die amerikanische CART-Serie an den Lausitzring, die hier ihr erstes Ovalrennen in Europa fuhr. Wegen der wenige Tage vorher verübten Terroranschläge des 11.Septembers wurde das Rennen umbenannt in "American Memorial". Die Fans verfolgten das Rennen begeistert, bis es 13 Runden vor Schluss zum tragischen Unfall kam.

CART-Star Alessandro Zanardi geriet bei der Ausfahrt aus der Box ins Schleudern, sein querstehendes Auto wurde von Alex Tagliani mit einer Geschwindigkeit von rund 300 km/h gerammt und in zwei Teile gerissen. Zanardi wurde in ein Berliner Krankenhaus geflogen. Der Motorsport stand unter Schock, nicht nur am Lausitzring. Auch beim weit entfernten Formel-1-Grand-Prix im italienischen Monza machte sich Erschütterung breit und die Sorge um den ehemaligen Kollegen rückte alles andere in den Hintergrund. Sein guter Freund Jos Verstappen hatte sogar die - gott sei dank falsche - Information bekommen, Zanardi sei im Krankenhaus gestorben.

 
"Ich habe nicht zwei Beine verloren, sondern ein Leben gewonnen."
Alessandro Zanardi
Im Klinikum Berlin-Marzahn mussten Zanardi beide Unterschenkel amputiert werden. Doch das Schicksal hatte seine Rechnung ohne den lebensbejahenden Kämpfer aus Italien gemacht. Schon nach zwei Wochen gab er seine erste Pressekonferenz im Unfallkrankenhaus Marzahn: "Ich habe nicht zwei Beine verloren, sondern ein Leben gewonnen." Zanardi gab nicht auf, stieg wieder ins Auto und fährt inzwischen als BMW Pilot erfolgreich in der WTCC.

 
2002: Der Ring ist pleite

Im Jahr 2002 kam die finanzielle Krise: Die CART-Serie sagte ihre Europarennen ab, gleichzeitig musste auch die Rennstrecke die Auswirkungen des Berliner Bankenskandals spüren. Die Zeitungen titelten: "Der Lausitzring ist pleite". Am 20. Juni 2002 wurde Insolvenz angemeldet. Auf das Geschehen auf dem Kurs hatte das aber keinen Einfluss, mehrere Serien gastierten weiter in der Lausitz, auch die DTM.

Im Juni 2003 versuchte die DTM auf dem Lausitzring etwas Neues: Erstmals sollte nach dem Start nicht durch das Infield, sondern durch die erste Banking-Kurve des Triovals gefahren werden. Das sorgte bei den Freitagstests allerdings für zahlreiche Reifenschäden, so dass kurzfristig entschieden wurde, doch auf dem normalen Kurs zu fahren.

 
Standing Ovations für Zanardi

Im Jahr 2003 kehrte auch Zanardi in die Lausitz zurück. Die CART-Serie kam zum zweiten "German 500" an den Ring. Und das 2001er-Rennen, das nach dem Zanardi-Unfall 13 Runden vor Schluss abgebrochen worden war, wurde im Vorprogramm auf eine besondere Weise symbolisch zu Ende gefahren. Zanardi stieg mit seinen Beinprothesen in ein Rennauto des Jahrgangs 2001 und absolvierte die noch "fehlenden" 13 Runden - unter Standing Ovations und großer Bewunderung der Fans.

Ab dem Jahr 2004 brachen ruhigere Zeiten für die Rennstrecke in der Lausitz an. Am 1. Januar 2004 übernahm die neu gegründete Betreibergesellschaft EuroSpeedway Lausitz GmbH die Verantwortung, die Insolvenz war damit abgeschlossen.

 
2005: Das Rekordjahr

Im folgenden Jahr wurde wieder gebaut in der Lausitz: Rechtzeitig zum DTM-Rennen entstand die ADAC-Kurve, die die Gegengerade mit der Apcoa-Kurve verbindet. Der Kurs wurde damit auf 3,442 Kilometer verkürzt. Und das Jahr 2005 wurde zur Rekordsaison in der Lausitz. Zu den insgesamt 25 Zuschauerveranstaltungen kamen 693 881 Besucher, das waren mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Ein Grund: Die DTM gastierte zweimal auf dem EuroSpeedway, allein diese beiden Rennen brachten 146.000 Fans an den Kurs.

Neues gab es wieder in diesem Jahr 2007: Nach den Plänen der DTM-Dachorganisiation ITR wurde die Streckenführung für das Rennen geändert. Die erste Kurve wurde durch mobile Randsteine spitzer gemacht und die Start/Ziel-Gerade um 36 Meter verlängert. Damit sollen bessere Überholmöglichkeiten geschaffen werden.

 
DTM-Sieger in der Lausitz:

(Rennen 1 war Qualifikationsrennen)
03.09.2000 Rennen abgesagt wegen Regens
12.08.2001 (1) Uwe Alzen (Mercedes-Benz)
12.08.2001 (2) Peter Dumbreck (Mercedes-Benz)
14.07.2002 (1) Laurent Aiello (Audi)
14.07.2002 (2) Bernd Schneider (Mercedes-Benz)
08.06.2003 Bernd Schneider (Mercedes-Benz)
06.06.2004 Mattias Ekström (Audi) (Gary Paffett bekam Sieg am Grünen Tisch aberkannt)
01.05.2005 Gary Paffett (Mercedes-Benz)
18.09.2005 Mattias Ekström (Audi)
30.04.2006 Bernd Schneider (Mercedes-Benz)

 
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