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Wankel-Variationen: Ro 80 - gekocht 160

Ein Humor verband die Fahrer des Ro 80: Mit ausgestreckten Fingern, signalisierten sie sich bei jeder Begegnung die Anzahl der bereits verschlissenen Motoren

Im Mercedes-Benz C 111-I (1969, im Foto) und im C 111-II (1970) wird der Wankelmotor als Fahrzeugantrieb erprobt
Ro 80 zum "Auto des Jahres" gewählt
© Auto-Medienportal.Net/Daimler

(Motorsport-Total.com/Auto-Medienportal) - Das Dichtungsproblem am Motor schmälerte die Freude an einem in jeder Hinsicht Richtung weisenden Auto. Dass NSU die Aggregate kostenfrei austauschte, trug zur Reputation nur geringfügig bei. Auch den Spott "Ro 80 - gekocht 160" mussten die Fahrer ertragen, obwohl sie einen Pkw besaßen, dessen keilförmige Grundstruktur und der pavillonartige Aufbau mit sechs Seitenfenstern zum Vorbild späterer Automobilgenerationen wurde. Immerhin wurde der Ro 80 von Motorjournalisten 1967 zum "Auto des Jahres" gewählt.

Von falscher Bescheidenheit war der "Vater" der Konstruktion, Felix Wankel, nicht angekränkelt: Er sah in der Entwicklung einen "Anti-Mercedes". Aus einem Kammervolumen von zweimal 497 ccm holte der Motor 115 PS. Im gleichen Jahr brachte Mazda des Coupé mit Namen "Cosmo" heraus, 1978 folgte der RX-7, der ebenfalls 115 PS leistete. Dieser sportliche Zweitürer fand in Amerika mit dem Modellnamen "Savannah" viele Freunde, was letztlich ohne die Adaption eines geregelten Kat für den Motor wegen der strengen US-Umweltauflagen nicht gelungen wäre.

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Auch Citroën steuerte ein Gefährt zur Wankel-Gemeinde bei, den GS Birotor, was ein Hinweis auf einen Zweischeiben-Kreiskolbenmotor ist. Wieviele Ro80 schließlich binnen der zehn Jahre seiner Produktion vom Band liefen, lässt sich heute nicht mehr genau ermitteln. Eine Quelle spricht von 37.406 Exemplaren, eine andere von 38 052. Fest steht, dass die Stückzahlen gemessen an der Begeisterung für das damals futuristische Auto erbärmlich gering waren und verbürgt ist auch, dass es einen Kombi darunter gab: Ein Frankfurter NSU-Händler gönnte sich den Eigenbau.

Auch auf zwei Rädern konnte man mit Wankel fahren: Hercules und Suzuki, Norton und MZ beglückten die Biker mit der Erfindung, selbst im Wasser und in der Luft konnte, wer wollte, auf den Spuren des genialen Erfindern wandeln. 1971 war der Prototyp des hochseefähigen Wankel-Gleitflossen-Motorboots ,Zisch' fertig und Lada beispielsweise entwickelte einen Flugzeugmotor. Ebenso spektakulär wie schnell vergessen war ein großer Erfolg im Motorsport: Der Sieg eines Wankels im bedeutendsten Langstreckenrennen der Welt - den 24 Stunden von Le Mans.

Ein grün und orange lackiertes Gefährt, dessen Geräusch eher an eine überhitzte Kreissäge erinnerte als an einen Rennwagen, ging als erstes durchs Ziel. Dass der Mazda mit der Typenbezeichnung 787 B, angetrieben von einem Vierscheiben-Wankel mit 700 PS, diesen historischen Sieg einfuhr, konnte nicht einmal ein Michael Schumacher verhindern, der damals als viel versprechender Nachwuchsfahrer bei Mercedes unter Vertrag war. Der Stuttgarter Konzern hatte selbst mit Wankel-Motoren experimentiert und den Star der IAA 1969 präsentiert.

Nur 1,12 Meter hoch war der Mercedes C111, der zunächst mit einem Dreischeiben-Wankel ausgerüstet war. Der erste C111 wurde sechsmal, das modifizierte Modell mit dem Zusatz "II" nur noch zweimal gebaut. Es erhielt noch eine Kolbenscheibe mehr, war für 350 PS und rund 300 km/h gut. Die Euphorie der frühen Siebziger war allerdings nur von kurzer Dauer. Die Ölkrise machte den Autoherstellern die Entscheidung schwer, in Produktionsstätten für einen völlig neuen Motor zu investieren. Der Volkswagen-Konzern, neuer Eigentümer der mit Audi fusionierten NSU, wollte den Ro 80 trotz verbesserter Technik nicht weiter produzieren.

Mazda hingegen blieb dem Konzept treu. Was Felix Wankel selbst noch als "Ackergaul" geschmäht hatte, ist in Japan zu einem Rennpferd geworden, an dessen Temperament der Konstrukteur gewiss seine Freude gehabt hätte. In der letzten Version des RX-8 leistet der Motor 231 PS bei 8.500 U/min. Nur der Durst ist fast wie in den Siebzigern: Unter zwölf Litern je 100 km ist das schmucke Coupé kaum zu bewegen.

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