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Nordschleife: Hennerici sorgt sich um Sicherheit

Nordschleifen-Fachmann Marc Hennerici erkennt in der Eifel erhebliche Mängel in Sachen Sicherheit: Der Mayener legt ein neues Konzept für 2013 vor

(Motorsport-Total.com) - Gerade einmal zwei Jahre ist es her, da verlor Leo Löwenstein in seinem Aston Martin auf der Nordschleife sein Leben. Die VLN-Szene trauerte, es wurde wieder Rufe nach erhöhter Sicherheit laut. Allerdings ist seither nur wenig geschehen. Viel zu wenig, meint Nordschleifen-Fachmann Marc Hennerici. Der erfahrene Pilot bringt die Mängel auf die Tagesordnung. Als Privatmann setzte sich Hennerici in den vergangenen Wochen an den Tisch und erarbeitete ein "Sicherheitskonzept 2013" für den Rennbetrieb in der Eifel.

In Gefahrensituation verlangsamen selten alle Fahrer auf sinnvolles Niveau Zoom

"Eine noch nie da gewesene Leistungsdichte in den Spitzenklassen der VLN-Langstreckenmeisterschaft führt zu der Notwendigkeit, das gegebene Sicherheitskonzept neu zu überdenken", heißt es in dem achtseitigen Schriftstück, das nun auch dem DMSB vorliegt (Das gesamte Konzept zum Download!). Hennerici meint: "Die Tatsache, dass der letzte tödliche Unfall bereits zwei Jahre zurückliegt, ist pures Glück. Ebenso wie die Tatsache, dass in dieser Zeit auf Seiten der Sportwarte keine tödlichen Unfälle zu beklagen waren."

Unter Berücksichtigung eines engen finanziellen Korsetts schlägt der Nordschleifen-Profi aus Mayen drei konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit vor: strikte Tempolimits in Gefahrenbereichen, Kamerasysteme in den Teilnehmerfahrzeugen sowie ein Signalsystem für Sicherheitszonen. "Meine Erfahrungen aus den vergangenen VLN-Rennen sind leider verheerend gewesen", berichtet Hennerici, der 2012 mit dem neuen Porsche-Team Timbuli antritt.

"Habe ich bis dato die Profis oft in Schutz genommen, wenn es um die allseits bekannte Diskussion der 'bösen Großen' ging, so hat sich dies meiner Ansicht nach aufgrund der enormen Leistungsdichte im Feld der GT3 drastisch gewandelt", schildert der studierte Volkswirt. Er habe allein in den vergangenen Wochen mehrere "gestande Profis", deren Namen er im Konzept sogar nennt, dabei gesehen, wie sie unter doppelten gelben Flaggen deutlich zu schnell gewesen sein.

Konkrete Tempovorgaben für Piloten

Aus Sicht des 30-Jährigen reicht es nicht mehr aus, die Piloten unter Gelb nur zum Verlangsamen zu ermahnen. Es müssten konkrete Tempovorgaben gemacht werden. "Aus meiner Sicht, wären zwei Geschwindigkeiten, 60 km/h und 100 km/h angemessen, um 80 Prozent der Gefahrensituationen gerecht zu werden", so Hennerici. Die Einhaltung der Limits könne über Radarmessungen oder Tempobegrenzer im Auto geregelt werden.

"Fakt ist, dass es einfach keinen Sinn macht, an die Vernunft der Rennfahrer zu appellieren, wenn man das Verhalten unter Gelb in den Griff bekommen möchte. Man muss keine Vorlesungen über Anreizsysteme gehört haben, um dem zuzustimmen - gesunder Menschenverstand reicht aus", spricht Hennerici Klartext. Immer wieder kommt es in den Rennen auf der Nordschleife zu strittigen Szenen. Das Problem: Die Kameras decken nicht die komplette Strecke ab.


Fotos: VLN: 54. ADAC ACAS H&R-Cup


"Die Investitionen, die nötig wären, um eine komplette Videoüberwachung auf der Nordschleife zu ermöglichen, stehen jedoch in keinem Verhältnis", meint der Mayener. Er schlägt daher ein Aufzeichnungssystem für alle Fahrzeuge vor. Zumindest im Nachhinein könnten diese Aufnahmen immerhin zur Klärung strittiger Sachverhalte beitragen. Ein solches Kamerasystem könne man für rund 1.000 Euro pro Auto bekommen.

"Die routinemäßigen Drohungen der Rennleiter bei der morgendlichen Fahrerbesprechung, an dem jeweiligen Wochenende hart durchzugreifen, wirken hilf- und machtlos", meint Hennerici. "Dabei sei an dieser Stelle ausdrücklich gesagt, dass die Einfluss- und Überwachungsmöglichkeiten der Rennleiter äußerst begrenzt sind und die Gründe für die Situation 'draußen' auf der Nordschleife daher nicht bei diesen zu suchen sind. Ohnehin geht es nicht um Schuld, sondern um die erforderlichen Anpassungen an Entwicklungen."

Der Charme von Sicherheitszonen

Als drittes Element dieser wichtigen Entwicklung sieht Hennerici Sicherheitszonen. Im Falle einer Gefahrensituation sollen für fest definierte Bereiche Tempolimits gelten. Dabei reiche es aus, die Nordschleife in 14 Sektoren zu unterteilen und die Hauptposten mit entsprechenden LED-Signalanlagen auszustatten. Sollte ein Gefahrenbereich am Beginn eines Sektors liegen, könnte man direkt anschließend wieder mit grünen Flaggen freie Fahrt gewähren.

Marc Hennerici startet 2012 im Porsche des neuen Teams Timbuli Zoom

"Das charmante an der Lösung, dass für eine gesamte Sicherheitszone ein Tempolimit gilt, liegt jedoch darin, dass man anhand der Sektorzeiten ohne weitere Hilfsmittel Rückschlüsse auf die Geschwindigkeit der Teilnehmer ziehen kann. Die Rennleitung hätte dann für jeden Sektor die entsprechenden Zeiten vorliegen, welche entweder bei Tempo 60 oder aber bei Tempo 100 nicht unterschritten werden dürfen", argumentiert der Eifelaner.

Die Szene darf gespannt auf eine Reaktion des DSMB sein. "Als Kind des Nürburgrings und Ureifeler, ist es für mich eine ganz besondere Herzensangelegenheit, dass diese Rennstrecke auch kommenden Generationen erhalten bleibt. Den Spaß und das Gefühl, mit einem GT3-Rennwagen die Rennstrecke zu erkämpfen, ist unbeschreiblich", so Hennerici. "Ich will nicht mit der Moralkeule um mich schwingen, denn unter rationalen Aspekten, bin auch ich bei schweren Unfällen immer und immer wieder viel zu schnell unterwegs."

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